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Osteuropäer im Rhein

Schwarzmundgrundeln: Osteuropäische Fische entdecken und erobern Rhein als Lebensraum

Man steht am Rhein, schaut ins Wasser und es wimmelt vielfach nur so von Fischen. Aber was ist hier los? Können diese Fische etwa nicht schwimmen oder warum rutschen sie ständig am Boden umher?

Die Schwarzmundgrundeln, um die es hier geht, sind tatsächlich keine guten Schwimmer. Sie haben nicht einmal - im Gegensatz zu den meisten anderen Fischen - eine Schwimmblase. Ihre Brustflossen nutzen sie, um sich auf dem Untergrund abzustützen. Die Bauchflossen sind zu einer Saugscheibe umgebildet, die einen optimalen Halt auf steinigem Untergrund garantiert.

Mittlerweile gibt es insgesamt fünf unterschiedliche Arten von Grundeln im Rhein, alle stammen aus dem Gebiet des Schwarzen Meeres, die meisten von ihnen sind vermutlich über den Main-Donau-Kanal im Rhein eingewandert. Gerade bei der Schwarzmundgrundel ist der genaue Einwanderungsweg aber noch nicht abschließend geklärt. Im Jahr 2004 wurden erstmals Tiere in der deutschen Donau bei Straubing nachgewiesen, außerdem im niederländischen Rheindelta. Ob die Mainzer Tiere nun vom Süden über den Main-Donau-Kanal, oder aber rheinaufwärts von Holland aus zu uns gelangt sind, wird man wohl abschließend nicht mehr klären können.

Ein charakteristisches Merkmal, dass die Schwarzmundgrundel von den anderen Einwanderern unterscheidet, ist der schwarze Augenfleck auf der ersten Rückflosse - diesen sieht man aber meist nur bei Erregung, im Ruhezustand ist die Flosse am Rücken angelegt und der Fleck nicht zu sehen.

Seit etwa 2009 ist die Art nun auch im Raum Mainz angekommen und hat sich hier massiv vermehrt: bis zu drei Grundeln halten sich inzwischen pro Quadratmeter im Rhein auf. Bei Bestandserhebungen im Raum Köln stellten die Grundeln fast 80 Prozent aller erfassten Fische! Insbesondere in Flachwasserbereichen von Bootsrampen kann man das üppige Treiben der bis zu 25 cm langen Tiere beobachten.

Schnell und zielstrebig stürzen sie sich auf alles, was potentiell fressbar ist - deshalb sind sie bei Anglern auch nicht gerade beliebt: Das Angeln von Speisefischen wird zunehmend schwieriger, weil die Schwarzmundgrundeln - unabhängig davon ob Mais oder Fliegenmaden als Köder genutzt werden - gerne beißen, für den Verzehr aber weitgehend unbrauchbar sind. Außerdem stehen sie in dem Verdacht, sich von Fischlaich zu ernähren und damit die Bestände der einheimischen Fischarten zu reduzieren.

Wieso fühlen sich die Tiere aber bei uns so wohl? Ein Grund könnten die Massenvorkommen der ebenfalls in den Rhein eingeschleppten Körbchenmuschel sein. Mit ihren kräftigen Schlundzähnen ist die Schwarzmundgrundel wie keine andere Art in der Lage, die Tiere zu knacken und sich den Bauch vollzuschlagen. Die Fähigkeit, mehrmals im Jahr zu laichen, erklärt zudem die gigantischen Bestandszuwächse.

In einem Punkt sind die Schwarzmundgrundeln den Menschen dann aber doch sehr ähnlich - und das macht sie vielleicht auch so sympathisch. Die Männchen nehmen während der Laichzeit in der Regel eine schwarze Färbung an, locken die Weibchen durch Rufe ans Nest und bewachen den Laich. Ausnahme: Die sogenannten Kuckucks-Männchen der Schwarzmundgrundeln – sie bleiben farblich unverändert und versuchen, den Laich in fremden Nestern zu befruchten.

Um ein realistisches Verbreitungsbild der neu eingewanderten Grundel-Arten zeichnen zu können, bittet das Naturhistorische Museum insbesondere Angler um Mitteilung von Funden. Fotos können direkt an Dr. Lavinia Schardt (email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) gesandt werden. Interessierte Bürger können lebende Tiere der Schwarzmundgrundel auch in einem extra eingerichteten Aquarium im Museum beobachten.

Und zum Abschluss noch ein schwacher Trost für alle Angler: Die Populationsökologie geht davon aus, dass sich neu eingewanderte Arten nach einer ersten Phase der Massenvermehrung auf einem deutlich niedrigeren Niveau etablieren. Bleibt uns also wie so oft nur eins: Abwarten und Tee trinken.

 
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