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Flugunfall-Risiko über Industriepark Biebrich ernst nehmen!

US-Flugzeuge überfliegen Störfallbetriebe in viel zu geringer Höhe

„Es darf nicht sein, dass in der Debatte über den Fluglärm vom Frankfurter Flughafen der Betrieb am Erbenheimer US-Airfield ausgeblendet bleibt – vor allem, da dort die so genannten VIP-Flüge zunehmen“, kommentiert der umweltpolitische Sprecher der Rathausfraktion von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Wiesbaden, Ronny Maritzen. Noch dazu überqueren die startenden und landenden US-Militärflugzeuge in relativ geringer Höhe die Chemiebetriebe im Biebricher Industriepark InfraServ (ehemals Kalle-Albert), wo in zahlreichen Produktionsanlagen gefährliche Stoffe lagern und verarbeitet werden.

Nach Berichten von Anwohnern sind Flughöhen zwischen 250 und 600 Metern keine Seltenheit. Erst vor wenigen Wochen hatte sich die Bevölkerung in einer Versammlung im Kasteler Bürgerhaus darüber beklagt, dass die Flugzeuge die Produktionsanlagen – dicht neben den Wohngebieten von Amöneburg und Biebrich – sehr niedrig überflögen. Dass ihre Aussagen begründet sind, kann jeder Bürger jederzeit auf dem Live-Flugrouten-Internetportal http://casper.umwelthaus.org/dfs/http://casper.umwelthaus.org/dfs/ nachprüfen: So überflog zum Beispiel am 3. November 2011 um 9:06 Uhr die Maschine ARGUS22 in einer Höhe von gerade einmal 1107 Fuß (rund 337 Metern) den Industriepark InfraServ

Zahlreiche Produktionsanlagen im Industriepark Biebrich unterliegen der Störfallverordnung. Dort werden unter anderem hoch gefährliche Stoffe wie Ethylenoxid, Ammoniak und Methanol gelagert und verarbeitet. Die ansässigen Unternehmen haben zwar umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Doch diese beziehen sich auf mögliche Betriebsstörungen im Produktionsablauf und nicht auf von außen einwirkende Ereignisse wie einen Flugunfall. Flugzeugabstürze über Industrieanlagen stellen ein besonders großes Risiko dar: Domino-Effekte durch die Kettenreaktion unterschiedlichster Stoffe könnte zu einer nicht mehr beherrschbaren Katastrophe führen. Die Folgen für die Bevölkerung und die Umwelt wären nicht abzusehen.

Die GRÜNEN fordern deshalb den Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden auf, mit den zuständigen Behörden in Verhandlungen zu treten, um ein Überfliegen dauerhaft zu unterbinden. „Es darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden: Bevor auf dem Frankfurter Flughafen die neue Nordwest-Landebahn gebaut wurde, musste mit dem Kunststoffhersteller Ticona im Kelsterbacher Wald ein ganzer Chemiebetrieb weichen“, so Maritzen. „Ob es sich dabei um einen militärisch genutzten oder zivilen Flughafen handelt sollte bei der Risikobewertung keine Rolle spielen.“ Grundlage der Ticona-Entscheidung war seinerzeit die vom EU-Rat erlassene Richtlinie 96/82/EG zur Beherrschung der Gefahren bei schweren Unfällen mit gefährlichen Stoffen („Seveso-II-Richtlinie“).

 Ronny Maritzen - Frank Schuster

 
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