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Historisches Mainz: Stele „Ehemaliges Kaufhaus Lahnstein“

Erneut konnten neue Hinweistafeln im Rahmen der Konzeption „Historisches Mainz“ fertiggestellt werden. Die Stele am Standort des ehemaligen Kaufhauses Lahnstein gibt wertvolle Hintergrundinformationen zur Historie dieses zerstörten historischen Gebäudes und zum Schicksal des jüdischen Inhabers Carl Lahnstein uns seiner Familie, die von den Nationalsozialisten enteignet und verfolgt wurden.

Hier stand bis zu seiner kriegsbedingten Zerstörung im August 1942 das Kaufhaus Lahnstein. Es gehörte neben dem ebenfalls von jüdischen Inhabern geführten Warenhaus Tietz (später Kaufhof) in der Schusterstraße und Stubs Quelle in der Lotharstraße zu den größten Mainzer Einzelhandelsunternehmen.

Das Gebäude war 1830 vom Bauherrn Carl Closmann abweichend von den Plänen des französischen Chefingenieurs Eustache de St. Far ein Stockwerk höher errichtet worden als Gutenbergplatz 1. Jenes 1808 noch in napoleonischer Zeit erbaute Haus sollte ursprünglich als Vorbild dienen für die einheitliche Bebauung des gesamten Platzes.

Um 1846 erwarben die „Ellenwarenhändler“ Nathan,Moses und Joseph Goldschmidt das Anwesen. Es folgten Julius Lahnstein und Hermann Fröhlich mit dem 1875 gegründeten Einzelhandelsunternehmen für „Kurz-, Weiß- und Wollwaren“. Julius Lahnstein erweiterte es zu einem Kaufhaus, das schließlich auch Lebensmittel führte.

Nach seinem Tod im Jahr 1927 übernahm sein Sohn Carl das Geschäft. Er genoss ebenso wie sein Vater nicht zuletzt wegen seines sozialen Engagements in der Mainzer Bürgerschaft hohes Ansehen. Die antisemitische Grundstimmung, von den Nationalsozialisten systematisch verstärkt, bekamCarl Lahnstein schon 1930 zu spüren.

Man bezichtigte ihn fälschlicherweise, mit der separatistischen Bewegung sympathisiert zu haben, die eine Loslösung der linksrheinischen Gebiete vom Reich anstrebte. ImMärz 1933 wurde das Kaufhaus Lahnstein genauso Opfer einer von der SA inszenierten Boykottaktion wie andere von jüdischen Inhabern geführten Geschäfte.

Seine Mitgliedschaft im Vorstand des FSV Mainz 05 verlor Carl Lahnstein aufgrund der Satzungsänderung vom 10. August 1933, nach der keine jüdischen Vorstandsmitglieder mehr geduldet waren. In der Nacht zum 10. November 1938 überfielen nationalsozialistische Randalierer das Kaufhaus Lahnstein und verwüsteten es.

Man verschleppte Carl Lahnstein in das Konzentrationslager Buchenwald. Nach seiner Entlassung sah er für sich und seine Familie im NS-Staat keine Zukunftmehr.

Die Stadt Mainz betrieb schließlich die Zwangsversteigerung von Gebäude undGrundstück.Während Carl Lahnstein, seiner Frau Emmy und seiner Tochter die Flucht in die USA gelang, wurden 14 Mitglieder ihrer Familie vom NS-Staat umgebracht.

Die Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 erwiesen sich zermürbend. Er starb am 29. Dezember 1954 im Alter von 67 Jahren. Beim Wiederaufbau des Anwesenswurde die französische Idee der symmetrischen Flankierung des Theaters nicht mehr aufgegriffen.

Auch die vom neuen Eigentümer gewünschteDreigeschossigkeit blieb1962 wegen entgegenstehender Pläne der Stadt zugunsten des zweigeschossigen Pavillons unrealisiert.

 

 
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