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Wiesbadener bekennen sich zur Inklusion


Das Ziel der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben wird mit dem Stichwort der „Inklusion“ umschrieben.

Dass dies ein wichtiges gesellschaftliches Ziel ist, das stärkere politische Beachtung erfahren sollte, darin sind sich die Mehrheit der Wiesbadenerinnen und Wiesbadener einig.

Gleichwohl ergab eine repräsentative Befragung von 1.000 Bürgerinnen und Bürgern der Landeshauptstadt Wiesbaden, dass es zu diesem Thema Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung gibt. 

„Inklusion beginnt im Kopf!“, „Verhalten, Einstellungen und Bewusstseinsbildung spielen eine wichtige Rolle“. Diese und ähnliche Äußerungen in zahlreichen Gesprächen und Workshops mit Fachleuten wie Betroffenen haben das Sozialdezernat dazu bewogen, genauer nachzufragen.

Wie steht die Wiesbadener Bevölkerung dem Thema gegenüber? Welche Berührungspunkte gibt es? Wie ist der Kenntnisstand und wie schätzt die Bevölkerung die derzeitige Situation in den unterschiedlichen Lebensbereichen ein?

Um diese Fragen zu beantworten wurde in Zusammenarbeit mit dem Amt für Strategische Steuerung, Stadtforschung und Statistik eine breit angelegte Erhebung konzipiert und durchgeführt.

Die Umfrage ist ein wichtiger Baustein des kommunalen Aktionsplans für Wiesbaden, mit dessen Ausarbeitung 2011 innerhalb des Sozialdezernates begonnen wurde.

Hintergrund ist die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die vor fünf Jahren, am 26. März 2009, in Deutschland in Kraft getreten ist. Sie zielte darauf ab, die gleichberechtigte Teilhabe und Teilnahme von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben zu erreichen und Teilhabebarrieren abzubauen.

Sehr wenige Befragte geben an, selbst behindert zu sein (7,5 Prozent) oder mit einem Menschen mit Behinderung im Haushalt zu leben (8,5 Prozent). Dennoch haben viele einen persönlichen Bezug zu Menschen mit Behinderung. Drei von vier Befragten haben in ihrem näheren Umfeld Kontakt zu behinderten Menschen etwa in der Familie, im engeren Freundes- und Bekanntenkreis oder am Arbeitsplatz.

Insgesamt ist die Wiesbadener Bevölkerung dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen. Mit über 90 Prozent der Befragten gibt es über alle Befragtengruppen hinweg eine hohe Übereinstimmung darin, dass die Verwirklichung von Inklusion ein wertvolles Ziel sei.

Die weit überwiegende Mehrheit der Befragten (über 80 Prozent) hat keinerlei Berührungsängste oder grundlegende Bedenken, weder was das Knüpfen von Freundschaften mit Menschen mit Behinderung betrifft noch den gemeinsamen Schulbesuch oder Fragen der Familiengründung.

Der Kenntnisstand ist zwar noch ausbaufähig, doch bereits 36 Prozent der Befragten haben schon einmal von der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen gehört. Zwei Drittel geben an, im Rahmen der Befragung zum ersten Mal davon Kenntnis zu nehmen.

Auch trauen sich viele Befragten kein Urteil darüber zu, wie der Stand der Inklusion in Wiesbaden zu beurteilen ist (35 Prozent) oder in wie weit einzelne Aspekte der städtischen Infrastruktur wie Wohnungen oder Freizeitangebote auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung abgestimmt sind. Je nach Teilaspekt können dies zwischen 40 und 57 Prozent der Befragten nicht einschätzen.

Die Ergebnisse der Befragung dienen als Ausgangspunkt und Grundlage für die weiteren Aktivitäten der Stadt zum Thema Inklusion. Ein erklärtes Ziel ist es, durch gezielte Informationen den Kenntnisstand in der Bevölkerung zu verbessern und ein realistisches Bild von Menschen mit Behinderungen und ihren spezifischen Bedürfnissen und Belangen in der Stadtgesellschaft zu entwickeln.

Wie Bürgermeister und Sozialdezernent Arno Goßmann ausführt, reicht es nicht aus, sich in der Betrachtung ausschließlich auf Menschen mit Behinderung zu konzentrieren. „Vielmehr ist die gesamte Bevölkerung mit in den Blick zu nehmen, denn Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Entscheidend ist, dass allen Bürgerinnen und Bürgern gleichberechtigte Teilhabe in den verschiedensten Bereichen, ob Bildung, Kultur oder Sport, um nur einige zu nennen, von Anfang an ermöglicht wird“, so Goßmann.

Der Boden in Wiesbaden ist gut vorbereitet. Wie die Studie belegt, ist Behinderung ein Thema, das - direkt oder indirekt - sehr viele betrifft und sich durch alle Lebensbereiche hindurchzieht. Die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention stellt eine ämterübergreifende Aufgabe dar und erfordert ein Zusammenwirken aller relevanten Akteure.

Der Kreis der Personen und Instanzen, die an der Ausarbeitung eines Aktionsplans für Wiesbaden mitwirken, soll daher deutlich ausgeweitet werden, insbesondere um zusätzliche Vertreter aus dem Bereich der Stadtverwaltung sowie aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft.

 

Wie viele Menschen in Wiesbaden von einer Behinderung betroffen sind, darüber gibt es keine genauen Zahlen. Von der amtlichen Statistik erfasst sind bislang nur Personen, die als amtlich anerkannte Schwerbehinderte gelten. Etwa 31.000 Menschen in Wiesbaden und damit immerhin 11 Prozent der Bevölkerung zählen zu diesem Personenkreis.

Ab 65 Jahren besitzt bereits mehr als jede beziehungsweise jeder dritte Wiesbadenerin beziehungsweise Wiesbadener einen Schwerbehindertenausweis. In die Zukunft projiziert wird vermutet, dass der Anteil der Menschen mit Behinderung im Zuge des demografischen Wandels ansteigen wird.

Inklusion und der Abbau von Teilhabebarrieren sind somit aktuelle Themen, die weiter an Bedeutung gewinnen werden.

 
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