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Strafanzeige wegen Zerstörung von Fledermaus-Quartieren auf der Kostheimer Maaraue - Tiere wurden möglicherweise lebendig eingeschäumt und erstickten qualvoll

Bürgerinitiative befürchtet illegale Fällung

Der seit 25 Jahren im Naturschutz haupt- und ehrenamtlich tätige Forstwissenschaftler Christoph von Eisenhart Rothe hat Strafanzeige gegen Verantwortliche der Landeshauptstadt Wiesbaden gestellt.

Er sieht mögliche Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz (§44 in Verbindung mit §69/§71a) sowie andere den Artenschutz betreffende Rechtsvorschriften.

Des Weiteren hat er die Zerstörung von Ruhestätten und die mögliche Tötung von Fledermäusen und Haselmäusen (geschützte Arten gemäß Natura2000-RL der EU) zur Anzeige gebracht.

Christoph von Eisenhart Rothe hat am 24. September 2014 im Rahmen einer Bürgerinformation des Grünflächenamtes Wiesbaden an einer Begehung der abgesperrten Kastanienallee auf der Kostheimer Maaraue teilgenommen.

Die Fällung der etwa hundert Jahre alten Allee ist für den Herbst 2014 angekündigt, die Pläne sind öffentlich umstritten. Bei der Führung durch die Allee wurde er darauf aufmerksam, dass zahlreiche Baumhöhlen mit Bauschaum ausgeschäumt wurden.

Die Maßnahmen wurden -nach Auskunft der städtischen Mitarbeiter vor Ort- im Auftrag des Grünflächenamtes aus Gründen des „präventiven Artenschutzes" ausgeführt.

Baumhöhlen sind Rückzugs- und Ruhestätten für diverse Säugetiere, darunter die besonders geschützte Haselmaus und diverse Fledermausarten.

Diese Arten sind durch die EU-Verordnungen zum Arten- und Biotopschutz (Natura2000-RL) und über das Bundesnaturschutzgesetz sowie die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt.

Das Töten und Stören der Tiere sowie alleine das Vernichten der Ruhestätten ist strafbar. Da die Baumhöhlen tagsüber mit Bauschaum aufgefüllt wurden (also zu einer Zeit, zu der die nachtaktiven Tiere ruhen), fürchtet er, dass Tiere möglicherweise im Schlaf erstickt und erdrückt worden sind.

Laut Auskünften der Mitarbeiter des Grünflächenamtes liegt keine Fällgenehmigung für die Allee vor; eine Ausnahmezulassung nach §30 BNatSchG zur Beseitigung der Allee sowie eine artenschutzrechtliche Befreiung zur Tötung von besonders geschützten Arten fehlt.

Diese Sachverhalte wurden von der Unteren Naturschutzbehörde in Wiesbaden auf Nachfrage von Christoph von Eisenhart Rothe in der letzten Woche nochmals bestätigt.

Christoph von Eisenhart Rothe hält es für möglich, dass diese Maßnahmen getroffen wurden, um die Tiere zu vertreiben bzw. zu beseitigen und damit leichter die naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zur Fällung der alten Allee zu erhalten.

Aus seiner Sicht besteht akute Wiederholungsgefahr, da nicht alle Höhlen gefüllt worden sind und weitere Individuen gestört oder getötet werden können.

Die Bürgerinitiative „Rettet unsere Kastanien", die sich seit einem halben Jahr gegen die Komplettfällung der alten Kastanienallee zur Wehr setzt, hat sich heute mit der Bitte um Hilfe direkt an den Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden Sven Gerich (SPD) gewandt:

Wir haben keinerlei Vertrauen mehr in das rechtmäßige Handeln der Verwaltung", heißt es in dem Schreiben an den Oberbürgermeister. Die Bürgerinitiative hat Angst vor einer illegalen Fällung in den frühen Morgenstunden: „Bitte verhindern Sie, dass die Verwaltung Fakten schafft und die Bäume gegen Recht und Gesetz einfach umlegt."

Die Kastanienallee steht auf der Maaraue in Kostheim (Stadtteil von Wiesbaden), den 74 Bäumen droht in den nächsten Tagen die Fällung, obwohl sich auch bundesweit renommierte Experten wie zum Beispiel der Göttinger Wissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Weihs dagegen ausgesprochen haben.

Das Areal, auf dem die Bäume stehen, gehört dem Land Hessen, nach Verlautbarungen des zuständigen Dezernates soll es vom Hessischen Umweltministerium keine Bedenken gegen die Zerstörung des Biotops geben.

(Marion Mück-Raab - Bürgerinitiative RETTET UNSERE KASTANIEN)

 
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