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Offener Brief an Staatsministerin in Sachen Lesselallee

Offener Brief der Fraktion LINKE&PIRATEN Wiesbaden - Unmittelbar bevorstehende Zerstörung eines in Landeseigentum(!) stehenden Biotops im Landschaftsschutzgebiet auf der Maaraue (Gemarkung Mainz-Kostheim, Landeshauptstadt Wiesbaden)

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Hinz,
 
nach § 13 (1) des Hessischen Ausführungsgesetzes zum Bundesnaturschutzgesetz in Verbindung mit § 30 Bundesnaturschutzgesetz stehen Alleen außerhalb der im Zusammenhang stehenden Bebauung  als Biotop unter Naturschutz.

Entgegen dieser Unter-Schutz-Stellung beabsichtigt die Verwaltung der Landeshauptstadt Wiesbaden, federführend Grünflächendezernent Dr. Franz, die rund 100 Jahre alte Kastanienallee („Lesselallee“) im Landschaftsschutzgebiet auf der Maaraue  zu zerstören.

Das heißt: die 74 vorhandenen Kastanienbäume sollen in den nächsten Tagen gefällt und gerodet werden. Ohne dass die naturschutzrechtliche Genehmigung vorliegt, wurde bereits am Wochenende massiv in das Biotop eingegriffen, indem Baumhöhlen mit Bauschaum verfüllt wurden.

Möglicherweise wurden dabei sogar Tiere getötet. Der Landesgeschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat  laut Presseberichten von heute daraufhin Strafanzeige erstattet.
 
Die vom Grünflächendezernent beabsichtigte Fällung und Rodung der Allee mit ihren 74 Kastanienbäumen wird mit fehlender Verkehrssicherheit der Allee begründet.

Dabei hat Prof. Dr. Weihs, der in Göttingen an der HAWK Baumsachverständigenwesen lehrt, ein anerkannter Sachverständiger des Baumsachverständigenwesens ist und regelmäßig in diesem Fachgebiet publiziert, auf der Basis einer von ihm angefertigten aktuellen Expertise vor dem Umweltausschuss der Stadtverordnetenversammlung zur Lesselallee erklärt, die Allee sei vital und erhaltenswert. Die geplante Fällung hat er kürzlich presseöffentlich als Baumfrevel bezeichnet.

Auch der vom Dezernat beauftragte Sachverständige Dengler, auf den sich das Dezernat mit seiner Fällabsicht stützt, hat in einer öffentlichen Veranstaltung der Stadt am 31.07.14 als Podiumsteilnehmer erklärt, er habe nie eine Fällung der Allee gefordert bzw. vorgeschlagen.

Er halte den Kompromissvorschlag des BUND, den dieser aktuell unterbreitete, nämlich die Bäume zu erhalten, die Verkehrssicherheit durch Pflegemaßnahmen herzustellen, den weiteren Verlauf der Entwicklung der Bäume zu beobachten und ggfs. einzelne zu fällende Bäume durch geeignete Ersatzpflanzungen auszugleichen, für den besten Vorschlag.
 
Trotzdem hält das Grünflächendezernat an seinen Plänen der Fällung, Rodung und Neuanpflanzung von einer geringeren Anzahl junger Flatterulmen fest. Für die Gesamtmaßnahme sollen insgesamt 220.000 € ausgegebenen werden, ein Vielfaches der für Pflege erforderlichen Jahresausgaben.

Gestützt wird das Vorhaben des Grünflächendezernenten durch das Umweltdezernat sowie eine Mehrheit des Umweltausschusses der Stadtverordnetenversammlung, die es bislang ablehnte, einen Beschluss zum Erhalt der Kastanienallee zu fassen.
 
Mehrfach wurde seitens der Verwaltung erklärt, die Fällung dieses gesetzlich geschützten Biotops sei mit dem Umweltministerium abgestimmt. Nach Medienberichten wird sich auf ein – der Öffentlichkeit und den Stadtverordneten nicht vorliegendes –Schreiben aus Ihrem Ministerium bezogen– aus der Zeit vor Beginn Ihrer Amtszeit.

Zu diesem Zeitpunkt war die Expertise von Prof. Weihs noch nicht erstellt und veröffentlicht (auf der Homepage der Fraktion Bündnis 90/Die GRÜNEN Wiesbaden). Möglicherweise ist diese Expertise Ihrem Hause bis heute nicht bekannt.
 
Die beabsichtigte Zerstörung des Biotops „Lesselallee“ hat bei vielen Menschen große Empörung ausgelöst. So haben z. B. über 4000 Menschen sich „per Unterschrift“ für den Erhalt der Kastanienallee eingesetzt. Es existieren eine Homepage und eine gut vernetzte Facebookseite, die dem Ziel des Erhalts der Allee gewidmet sind.
 
Viele Menschen erwarten jetzt ein Einschreiten des Eigentümers der Allee (Land Hessen) und insbesondere der (grünen) Umweltministerin gegen solch einen eklatanten Verstoß gegen Naturschutzrecht in Form der Zerstörung einer geschützten Allee.
 
Ich bitte Sie die Zerstörung dieses Biotops nicht zuzulassen!
 
Angesichts des hohen öffentlichen Interesses und der Bedeutung des Sachverhalts haben Sie sicher Verständnis dafür, dass ich mein an Sie gerichtetes Schreiben der Öffentlichkeit zugänglich mache. Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
 
(Hartmut Bohrer) Fraktionsvorsitzender, Mitglied des Umweltausschusses Stadtverordneter aus „AKK“, stellv. Vorsitzender des Ortsbeirats Mainz-Kastel

 
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