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Erbenheimer Warte: Nachhaltige Lösung zur Sanierung des Kulturdenkmals nur mit Einschränkungen möglich
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Erbenheimer Warte: Nachhaltige Lösung zur Sanierung des Kulturdenkmals nur mit Einschränkungen möglich

(rap) Zwei mögliche Sanierungsvarianten verbleiben nach eingehender Abwägung / Ausschreibung nach der Entscheidung im Jahr 2016

Die Wahl einer nachhaltigen Sanierungslösung für das der Landeshauptstadt Mainz gehörende, mehr als 500 Jahre alte Kulturdenkmal „Erbenheimer Warte“ in Kastel stellt sich für die beteiligten Experten als zunehmend komplexere Herausforderung dar.

Unter Federführung des Landesamts für Denkmalpflege Hessen fand im Juni ein Gespräch statt, bei dem gemeinsam mit Vertretern der Landeshauptstadt Mainz als Eigentümerin, der Unteren Denkmalpflege Wiesbaden sowie den Experten der beteiligten Fachinstitute die bisher vorliegenden beiden Varianten zur Sanierung des Daches des Kulturdenkmals „Erbenheimer Warte“ auf eine möglichst nachhaltige Lösung untersucht wurden.

Die Diskussion zeigte, daß sowohl die vollständige Rekonstruktion des Turmdachs (Variante 1) als auch eine Teilerneuerung der ursprünglichen Konstruktion (Variante 2) als nicht unkritisch angesehen werden müssen.

Unter Abwägung der bauphysikalischen und der konservatorischen Argumente erscheinen beide Sanierungsalternativen nicht optimal geeignet, sowohl zukünftige Schäden aufgrund der einzigartigen Turmgestalt völlig auszuschließen als auch den denkmalpflegerischen Anspruch an eine historisch angemessene Erhaltung der Bausubstanz zu erfüllen.

Die daher als neue Lösung zu den bisherigen Varianten entwickelte Sanierung „Erhalt des historischen Turmhelm-Bestandes incl. der aufgebrachten Putzschicht und Sicherung mit einer Blechhaube“ wurde nun bei einem erneuten Gespräch in der hessischen Landesdenkmalbehörde erörtert.

Mit Blick auf die gutachterliche Einschätzung des beteiligten Statikbüros ist auch diese Variante als dauerhaft weitgehend schadenfreie Lösung nicht darstellbar. Da zudem die Gefahr des Abstürzens von Teilen der inneren (historischen) Mauerwerksschale besteht, mußte sie verworfen werden.

Ebenfalls verworfen wurde die bisherige Variante „Teilrekonstruktion" aufgrund der damit verbundenen unkalkulierbaren Risiken bei der Einschätzung des Zustandes des noch verbleibenden Ziegelmauerwerks. Somit stehen noch zwei als genehmigungsfähig anzusehende Varianten zur Diskussion.

 Variante 1
Rückbau des Turmhelms (Kegels) bis auf den Schaft, Einbringen eines Ringankers und Rekonstruktion als Massivkonstruktion (Ziegelmauerwerk) mit einer auf die Unterkonstruktion abgestimmten Putzschicht.
Vorteil: Erhalt der für das Landschaftsbild prägenden und das Kulturdenkmal kennzeichnenden monolithischen Anmutung des Wartturmes.

Nachteil: Eine dauerhaft schadenfreie Lösung ist nicht zu gewährleisten, da durch thermische Spannungen und Witterungssituationen auch in Zukunft ein erhöhter Wartungsaufwand erforderlich ist (Riss-Bildung durch Spannungen in der Konstruktion, eindringende Feuchtigkeit, Frostsprengung). Der notwendige spätere Kontroll- und Wartungsaufwand generiert höhere Folgekosten über die Investitionskosten hinaus.

Variante 2
Rückbau des Turmhelms (Kegels) bis auf den Schaft, Einbringen eines Ringankers und Aufbau eines Kegeldaches als Holzkonstruktion mit Blechbedachung, erkennbar als „neues“ Dach, optisch ähnlich wie bei der (neu gebauten) Flörsheimer Warte.

Vorteil: Vergleichsweise geringere Kosten als eine Aufmauerung, relativ sicher und dauerhaft, wartungsarm.
Nachteil: Verlust der Ablesbarkeit des historischen Konstruktionsgedankens durch Veränderung des Dachaufbaus (Denkmal-Vermittlung nur noch bedingt über Drittmedien, also z.B. Foto, Film, Zeichnungen im Rahmen einer musealen Aufarbeitung im Turm möglich).

Die Landeshauptstadt Mainz wird nun, so kündigt OB Michael Ebling an, zeitnah mit dem Gutachter abstimmen, welche Variante unter den Aspekten der Substanzerhaltung und der Wirtschaftlichkeit (auch unter Beachtung eventueller  Folgeaufwände sowie möglicher Förderungen) der Denkmalpflege zur formalen Zustimmung zur Sanierung vorgelegt und dann im nächsten Jahr ausgeschrieben werden soll.

(Foto: Archiv)

 
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