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Die Färcher -oder: Fergen- einst vornehme Kasteler Zunft
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Die Färcher -oder: Fergen- einst vornehme Kasteler Zunft

Menschen haben seit jeher versucht, trennende Gewässer durch Boote, Kähne und Flöße zu verbinden. So war es auch seit alter Zeit hier am Rhein, in unserer Heimat.

Menschen und Vieh, Hab und Gut wurde übers Wasser gebracht. Das war in vorgeschichtlicher Zeit so, das war in der Römerzeit so und das war im Mittelalter so.

Schon in der Zeit zu Beginn des 13. Jahrhunderts existierten zwei Gruppen von Fachleuten. Die einen waren die Ruderleute die anderen die Nachenführer.

Das war die Arbeit der Fergen oder Färcher bis hin zum 19. Jahrhundert, wenn durch Eisgang und Hochwasser die Schiffsbrücke abgefahren war, so der Heimatforscher Klaus Lehne.

Eisgang im Winter und Überschwemmungen im Frühjahr waren in den vergangenen Jahrhunderten nichts Außergewöhnliches.

Das Wasser stand in den tiefer gelegenen Straßen in Kastel, so wie in der Stadthausstraße, heute Rathausstraße, Kronengasse, im unteren Teil der Kühgass, heute Zehnthofstraße und der Ankertorstraße.

Die Versorgung der Bevölkerung erfolgte bereitwillig durch Nachen, meist Boote der Färcher und Fischer von Kastel, ohne dafür Lohn entgegenzunehmen.

Einen geregelten Fährdienst gab es seit Anfang des 15. Jahrhunderts, als die Färcher (Fergen) in einer Zunft vereinigt allein das Recht bekamen, an der Fährstelle zwischen Mainz und Kastel überzusetzen. Die Fähren waren Eigentum einzelner Kasteler Familien.

Beim Verkauf und Vererben mußte die Zustimmung der Zunft eingeholt werde. Sie hatte ihren Sitz in dem Zunfthaus an der Fergenpforte gegenüber dem Rathaus. Das alte Rathaus stand in der damaligen Stadthausstraße, der heutigen Rathausstraße gegenüber der Einmündung der Kirchgass, heute Großen Kirchenstraße.

An der Spitze der Zunft standen 2 Fergenmeister. Zum Schlichten von Streitigkeiten war ein Ältestenrat, der Rat der „Zehn“ vorhanden. Über reine Schifffahrtsangelegenheiten entschied der Elferrat, der sich aus sechs Mitgliedern des Zehnerrats und fünf Fergen zusammensetzte, die für jeden einzelnen Streitfall gewählt wurden.

Wichtige Personen waren auch  die „Werter“, ältere verheiratete Männer, die vor Antritt ihres Amtes einen Diensteid leisten mußten. Sie hatten die wichtige Aufgabe, den Fährlohn abzuschätzen, einzukassieren, gleichmäßig an die Fährenbesatzungen zu verteilen und Streitigkeiten zwischen den Fahrgästen und den Fergen zu schlichten.

Das Letztere war oft nötig, denn die Fergen waren sicher ebensolche Raubeine wir ihre Berufsverwandten, die Flößer. Tüchtige Leute müßen sie aber gewesen sein, sonst hätte nicht die Äbtissin des Mainzer Altmünsterklosters 1432 den Fergen von Kastel das Fahrrecht über den Main bei Kostheim und die Überfahrt von dort über den Rhein nach Mainz übertragen.

Daß ihnen niemand in ihr Handwerk pfuschte, dafür sorgte der Kurfürst, der jeden Missetäter mit Geld- und Kerkerstrafe bedrohte. Für diesen Schutz hatten die Färcher Abgaben zu entrichten.

Das Mainzer Erz-Stift erhielt jährlich 80 Malter Korn, das Petersstift 2/3 des Zehnten vom Überfahrtsgeld, das Jakobsberger Kloster 1/3, das Altmühlkloster Korn und Geld. Aus diesen Abgaben mußte das Kasteler Kirchengeläut mit 7 Gulden 30 Kreuzer bezahlt werden.

Ferner verpflichtete sich die Zunft, die Angehörigen des Stiftes und der Klöster sowie die Stift- und Klostergüter  unentgeltlich überzusetzen. Die Glanzzeit der Zunft endigte mit dem Bau der Schiffsbrücke 1661.

In der Folgezeit verdienten die Fergen nur etwas, wenn die Brücke abgefahren war. Doch rettete sich dieser Beruf bis ins 19. Jahrhundert hinüber. 1812 haben Kasteler Färcher Napoleon I im Dezember bei Eisgang über den Rhein gesetzt. Der Beruf starb erst aus, als um die Mitte des 19. JH. Dampfboote der Eisenbahn die Fährverbindung nach Mainz herstellten.


Als 1661 die Schiffsbrücke gebaut wurde, bot der Mainzer Kurfürst den Färchern an, an den Brückenhäusern für ihn das Brückengeld einzuziehen. Das hat aber nur wenigen gefallen. Sie waren gewöhnt, sich ihr Geld auf dem Wasser zu verdienen. Viele traten dann der Zunft der Flößer bei und ernährten so ihre Familien.

In der wechselvollen Kasteler Geschichte hat die älteste Zunft einen festen Platz. Menschen, Vieh und Gut wurden vom Rhein-Main-Ufer aus mit „Nachen“ über den Strom gerudert. Bekanntlich gab es zu allen Zeiten der Kasteler Geschichte nicht immer Brücken, so Klaus Lehne.

(Herbert Fostel) - Bild: Stadtarchiv

 
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