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Stadtmauern und Tore dokumentieren die wechselvolle Kasteler Geschichte
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Stadtmauern und Tore dokumentieren die wechselvolle Kasteler Geschichte

Heimatforscher Klaus Lehne recherchierte diesmal aus Chroniken und alten Schriften der faszinierenden  Kasteler Historie. Die  Brückenkopfgemeinde am rechten Rheinufer war schon Jahrtausende zuvor besiedelt.

Der geschichtliche Anfang geht zurück auf die Zeit von Kaiser Augustus, als die Feldzüge zur Eroberung Germaniens begannen.

Bereits im ersten Jahrhundert erfolgte der Ausbau einer steinbestückten Militärstraße in Richtung Heddernheim-Nidda, die heute noch den Namen „Steinern Straße“ führt. Diese ist die älteste Straße im rechtsrheinischen Raum.

Im ersten Jahrhundert wurde das Mainzer Lager mit einer Stein-Mauer umgeben. Es entstand eine Rheinbrücke zwischen der heutigen Kasteler Großen Kirchenstraße, dem damaligen Mittelpunkt des Lagers und der Mainzer Zeughausgasse.

In einer Urkunde von 1257 wird die Südseite Kastels „Am Forum“ (Der Markt) genannt. Die vielen aufgefundenen Merkur-Altäre und Statuen bezeugen einen starken Handel von wohlhabenden Kaufleuten. So verwundert es nicht, daß in der alten Stadtmauer am Rhein ein Steinbild des Merkurs aus Alabaster eingemauert war.

Daß Kastel im Laufe der Jahrhunderte mehrmals zerstört wurde, ist in vielen Chroniken nachzulesen. Die letzten geschichtlichen Spuren wurden am  8. September 1944 durch die Bombardierung  Kastels komplett ausgelöscht.

Vor solchen Zerstörungen wollten sich die Kasteler schon vor vielen Jahrhunderten schützen und so ist es nicht verwunderlich, daß man Kastel mit Stadtmauer und Stadtgraben, durch den das umgeleitete Wasser des Königsfloßbaches und des Ochsenbrunnen-Baches lief, umgab.

Die Mauer war durch Tore, die mit Tragsteinen überbaut waren, durchbrochen. Auf den Toren befanden sich die Wachstuben der Torwächter, die “Letzen“ genannt wurden.

Da Kastel zur Bewachung und Verteidigung in drei Bezirke eingeteilt war, nannte man diese „Letz“. Eine „Letz- Einteilung“ erfolgte erstmals 1536, urkundlich erwähnt.

Auf der Stadtkarte aus dieser Zeit sind fünf bekannte rheinseitige sowie drei Land-Tore, die als Pforte bezeichnet wurden, gut zu sehen.

Die Bärenpforte hatte ihren Namen von der alten Herberge „Zum Bären“ der schon 1584 eine Schenke war und 1841 zu dem stolzen Hotel Barth aufgebaut wurde. Diese Pforte lag zwischen der Herberge „Zum Bären“ und der 1588 erbauten Herberge „Zur Taube“.

Das „gemeine Schlagpförtchen, auch gemeines Türchen“ genannt, befand sich unterhalb der Herberge “Zum Bären“. Hier befand sich auch ein Schlagbaum, an dem der Rheinzoll für alles, was an Gütern nach dem anderen Ufer geruderte wurde, erhoben wurde.

Dicht daneben befand sich die Färcherpforte. Man sieht auf der alten Karte unweit davon die Übersetzungsboote der Färcher eingezeichnet. Diese Pforte war auch der Mittelpunkt des geschäftlichen Lebens in Kastel.

Im Stadtplan ist links daneben die Bäckerpforte, die ihren Namen von dem in der Nähe gestandenen Gemeindebackhaus hatte. In diesem Backhaus sollen erstmals Teige verschnörkelt gebacken worden sein, die als „Brantzen“ bezeichnet wurden, die Vorläufer der heutigen Brezel.

Für viele Kasteler heute noch in seinem Bereich bekannt, befand sich bis in die sechziger Jahre das Pförtchen, früher Hirten- Pförtchen  genannt.  Heute führt die Rampenstraße des Hochkreisels darüber. Zu erkennen, leider ist nichts mehr.

Folgen wir dem alten Plan weiter, so kommen wir an die „Nikolauspforte“, heute der Ludwigsplatz angrenzend. Sie hatte ihren Namen von der in der Nähe befindlichen „Nikolauskapelle“. Durch diese Pforte gelangte man zur Wiesbadener Straße nachdem man den Steg über dem Wassergraben, der die Stadtmauer umgab, überschritten hatte.

Die Stadtmauer und der Graben machten eine scharfe Kurve. Hier war der Witzgraben. Über die ganze Strecke des Witzgrabens und der Stadtmauer befand sich kein Durchgang.

Erst wieder nach dem Witzgraben gab es eine scharfe Kurve in den Burggraben. Hier befand sich die Flickerpforte. Heute Kasteler Geschichtsbrunnen.

Der Abschluß des Rundgangs um die Stadtmauer und Stadtgraben  bildete dann die Zöllerpforte. In dieser Nähe befand sich auch das Haus des „Deutschen Ritterordens“.

Die Zöllerpforte wurde auch „Schmiedepforte“ genannt, weil sich daneben die Gemeindeschmiede befand, am Ende der alten Kronengasse.

(Herbert Fostel) - Bild: Privat

 
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