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Kastel um das 10. Jahrhundert und seine Gerichtsbarkeit
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Kastel um das 10. Jahrhundert und seine Gerichtsbarkeit

Über den Zeitabschnitt des 10. Jahrhundert und die Zuordnung der Gerichtsbarkeit, konnte
Heimatforscher Klaus Lehne aus Unterlagen recherchieren:


Die Geschichte von Kastel liegt seit dem Abzug der Römer in tiefem Dunkel. Nach der deutschen Gaueinteilung lag Kastel in dem Gau „Cunigessunderum“ oder „Königssondern“.  Es stand unter der Gerichtsbarkeit eines vom König ernannten Gaugrafen, dem wieder ein Centgraf untergeordnet war.

Dieser Gau reichte vom heutigen Wiesbaden über Kastel nach Kostheim und von da bis an den Eppsteiner Bach, den Losbach. Sein Name wird auch anders gedeutet, so „Königshundert, oder auch Königsuntergau“. Es war ein freier Landstrich; die Leibeigenschaft war darin selten und milde.

Die Vereinigung  freier Männer nannte man „Gaugenossenschaft“. In einer 843 in Kastel von Mannagold zu Gunsten der Mainzer Hauptkirche ausgestellten Schenkungsurkunde erscheinen der Gaugraf Walaho, der Centgraf Ansport, die Gaugenossenschaft als Zeugen. Kastel wird in dieser Urkunde als ein Dorf genannt. So entnommen aus den Nassauischen Annalen.

850 tagte das Gaugericht. Es wurde unter freiem Himmel bei dem Mechtildisstuhl, in der Nähe des Häuserhofes (Kasteler Gemarkung, heute am Erbenheimer Flugplatz am Mechthildshäuser Hof) abgehalten. Das Land- und Centgericht Mechthilshausen erstreckte sich von dem Ursprung der Kriftel bis an den Main und von da an den Rhein bis an die Walloff (Walluf).

Der Mechthildis oder Königsstuhl war berühmt durch den feierlichen Reichstag, den Kaiser Friedrich 1184 abhielt, wo Heinrich II, Lothar II, Philipp von Schwaben und Friedrich II zu Oberhäuptern des Reiches erwählt wurden. Steine aus dem ehemaligen Hofgut, das bereits 843 erwähnt wurde,  wurden bei der Erbauung der Warttürme am Schlusse des 15. Jahrhunderts verwendet.

Die deutschen Könige besaßen im Gau Königssondern zahlreiche Güter und hielten sich dort gerne auf, besonders in Wiesibada und Kuffstein, dem heutigen Wiesbaden und Kostheim. Auch in Kastel waren sie reich begütert. Als Endpunkt der Landstraßen und durch seine Lage am Rhein war Kastel schon frühzeitig eine Stätte, an der Zoll erhoben wurde.

Im Jahre 819 schenkte ein gewisser Werinfloß 2 Mansen und Ruten an den Priesterverein St. Peter in Mainz, behielt sich aber die lebenslange Nutznießung vor. 858 war ein starkes Erdbeben. Der Priesterverein, schon 773 urkundlich genannt, wurde im Jahre 944 reich dotiert, mit großen Rechten ausgestattet und zu einem Stift erweitert.

Dieser Stift (Peters-Stift) besaß in Kastel einen großen Teil der Gemarkung für welchen es sich die Befreiung des Gaugrafen bald zu verschaffen wusste. Da es sich aber für die Geistlichkeit nicht ziemte, weltliche Gerichtbarkeit auszuüben, so wurde diese an benachbarte, mächtige Familien übertragen, denen man die nicht geringen Einkünfte, welche aus der Gerichtsbarkeit entstand, überließ. 

Solche Schutzherren nannte man Advocati oder Schirmvögte. Diese Schirmvogtei war im Jahre 1189 im Besitz der mächtigen Dynasten-Familie von Bolanden, welche von den Grafen von Saarbrücken damit belehnt worden waren. In der Folge sehen wir die bolandischen Zweigfamilie von Hohenfels in der Ausübung aller mit der Vogtei verbundenen Rechte bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, wo die Urkunden enden.
Seit der frühesten Zeit war dem St. Petersstift auch die Leitung der Seelsorge anvertraut. Das Recht, den Pfarrer an der Kirche zu Kastel anzustellen, stand dem Probst zu. Der Pfarrer bezog den ganzen Zehnten. Durch die Schenkung Otto’s I. kam Kastel mit dem Rheingau an die Mainzer Kirche welche es fortan mit gleichem Rechte besaß, wie es früher der deutschen Krone angehört hatte.

Diese Schenkung fällt in die Jahre 961 bis 968. Die Urkunden darüber sind längst verloren, oder in irgendeiner Bibliothek begraben. Die Güter, welche die Könige in Kastel besessen hatten, gingen ebenfalls in den Besitz des Mainzer Stuhles über, wurden jedoch durch die Schenkungen der Erzbischöfe zu geistlichen und milden Zwecken mit der Zeit sehr  vermindert.

Die Leibeigenschaft starb ganz aus. 987 waren riesige Überschwemmungen. Die vorerwähnten Schenkungsurkunden fehlen, so auch leider die über die Übertragung der Schirmvogtei über Kastel, nachdem es von dem eigentlichen Gau getrennt war, an die Bolanden.

Am 29. Dezember 991 schenkte König Otto III. sein königliches Gut in Biebrich und Mosbach, im Gau Cunixgis-Sunderum in der Grafschaft Drutwins gelegen, zu Kastel gehörigen Herrnland und 120 Morgen, die an einem anderen Ort der Gemarkung Kastel gelegen mit den Hörigen beiderlei Geschlechts an das Kloster Selz im Elsass.

In das Jahr 1010 fällt die Stiftung der Elendsbruderschaft, später Jakobsbruderschaft, die den Zweck hatte, Arme und Kranke zu unterstützen. Sie betreuten auch die Pilger, die sich auf den Weg nach Santiago de Compostella gemacht hatten.

Als der Erzbischof Luitbald das vom Erzbischof Bardo von Mainz im Jahre 1050 angefangene Kloster St. Jakob auf dem Schönberge in Mainz vollendet hatte, stattete er dasselbe mit vielen Gütern und Renten aus.

Daher rührt auch das Jakobsherrengut in Kastel her, welches aus ungefähr 114 Morgen bestand. Im Jahre 1091 schenkte Erzbischof Ruthard von Mainz dem Stift St. Jakob einen großen Teil der jährlichen Zolleinkünfte zu Kastel. 1060 war strenge Kälte und dann große Überschwemmung, ebenso 1086.

Bisher hatte der Probst von St. Peter das Recht besessen, in die Kasteler Pfarrei zu investieren; im Jahre 1149 trat er jedoch dieses Recht an Erzbischof Heinrich ab mit der Bitte, dasselbe dem Stiftskapital zu St. Peter zu übertragen, welcher Bitte der Erzbischof nachkam.

Am 15. Januar 1207 belehnte König Philipp von Schwaben (Deutscher Kaiser) die Grafen Gerhard und Heinrich von Dietz mit dem Patronat der Kirche und Gütern in Usingen als Entschädigung für die abgetretene Schirmvogtei Kastel bei Mainz, die sie von Erzbischof Luitpold zu Lehen hatten.

Dies geschah wahrscheinlich, um die Herren von Bolanden, welche sich neuerdings der hohen stauf’schen Sache geneigt zeigten, damit zu belehnen.

Dadurch kam nun die Vogtei oder Gerichtsbarkeit aus der Hand des Kaisers an das mächtige Dynastengeschlecht der Bolanden, welche alle damit verbundenen Rechte noch am Ende des 13. Jahrhunderts ausübten.

1124 wurde Kastel mit festen Mauern umgeben und nahm die Bezeichnung „Stadt“ an! Im Jahre 1237 vertauschte Erzbischof Siegfried II. verschiedene Einkünfte in Oberolm gegen andere in oppido (Stadt) Kastel an den Abt zu St. Jakob in Mainz. Dies ist die erste Urkunde, worin Kastel als „Stadt“ genannt wird!

(Herbert Fostel)

 
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