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Germanicus-Ehrenbogen in Kastel
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Germanicus-Ehrenbogen in Kastel

„apud ripan Rheni“ (an den Ufern des Rheins), so vermerkte der römische Geschichtsschreiber Tacitus seinerzeit die Lage des Ehrenbogens.

Die seit der Entdeckung  September 1986 geleistete Arbeit und  Nachforschungen haben eine Reihe wichtiger Erkenntnisse über das Bauwerk und seine Bedeutung gebracht.

So konnte von den Wissenschaftlern ermittelt werden, daß der unterste Fundamentteil aus einer verfestigten  Kiesschicht, dem römischen Beton „opus caementitium“ besteht. Diese Schicht hat eine Stärke von ca. 3 Metern.

Das Mauerwerk hatte eine Länge von 20,60 m, eine Breite von 12,60 m. Darauf sitzt eingerückt zwei Lagen großer 0,50 m hoher Sandsteinquader im Geviert von 17,40 m Länge und 8,30 m Breite, deren Zwischenräume wieder mit verfestigter Kiesschicht aufgefüllt sind.

In der Mitte laufen zwei Doppelquaderreihen als Queranker. Die Quader, vermutlich aus Steinbrüchen des Odenwalds oder Pfalz, auf Flößen schwimmend bis Castellum Matiacorum transportiert, sind in Blei vergoßene Eisenklammern miteinander verbunden.

Einige dieser Steinquader besitzen das Zeichen der XIIII. römischen Legion und geben damit Hinweis auf das Entstehungsdatum des Bauwerks. Die XIIII. Legion war von 16 bis 42 n. Chr. und von 71 bis 92 n. Chr. in Mainz stationiert. 

Der mit der wissenschaftlichen Betreuung beauftragte Dr. Hans G. Frenz vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz, geht davon aus, daß der Ehrenbogen aus dem Jahre 19 n. Chr. stammt.

Er erklärt weiter hierzu, daß aus antiken Schriftquellen ein römischer Senatsbeschluß seinerzeit erging, in dem es hieß: „Dem populären „Germanicus“ (Julius Caesar) soll ein Ehrenbogen errichtet werden, und zwar „apud ripam Rheni“, am Ufer des Rheins, dort wo sich auch das Ehrengrab seines Vaters Drusus befindet.

Funde zeigen, daß der Ehrenbogen mit Ornamenten, Reliefs und Plastiken aus Muschelkalk reich verziert war. Sie zeigen einen tierfütternden Hirten, zu dem ein Hund hochspringt, einen Baumstamm und Teile einer Flußgötter-Figur. Der überdimensionale Fuß einer menschlichen Figur läßt ahnen, um welch monumentales Bauwerk es sich hier in Kastel gehandelt haben muß.

Nach den Erkenntnissen der Archäologen soll der Ehrenbogen von einer Grundfläche von 11,40 m X 8,30 m mit einer Mittelöffnung von 6,30m Breite und etwas 9,50 m Scheitelhöhe  sowie zwei Durchgängen auf der Seite von je 2,00 m Breite existiert haben. Die Gesamthöhe betrug ca. 17,00 m. Es gibt aber auch Fachleute, die von einer Höhe von bis zu 22,00 m sprechen.

Europaweit sagen Experten der Archäologie, daß  der Kasteler Ehrenbogen dem Bogen des Augustus auf dem Forum in Rom in seinen Fundamenten sehr ähnlich ist. Das trifft auch für den Bogen in Orange in der Provence zu, aber auch ein Monument, das ähnlich wie der berühmte Titusbogen ausgesehen haben kann, weil er genau auf das Kasteler Fundament paßt.

Der römische Ehrenbogen liegt genau auf der Achse der römischen Straße, die vom Legionslager auf dem Mainzer Kästrich über die römische Brücke gradlinig über das Kasteler Lager, durch den Torbogen, über die Steinern Straße bis in Richtung Hofheim führte.

Ca. 20 m landeinwärts befand sich eine Straßengabelung. Von hier aus führten Straßen in das Wiesbadener Lager, dem Lager in Kostheim und zur römischen Mainbrücke. Zwei römische Meilensteine, auf denen die Entfernung nach Aquae Mattiacae (Wiesbaden) angegeben ist, zeugen von der Wichtigkeit dieser Straßengabelung, beziehungsweise der Wichtigkeit des Ehrenbogens.

Jedermann, der über den Rhein wollte, mußte zwangsläufig das Symbol der römischen Macht passieren und sollte wohl auch an die Feldzüge nach Germanien erinnern, wobei der Herrschaftsanspruch Roms an diesem Bogen verdeutlicht wurde.

Nach dem Abzug der Römer 486 aus unserer Region war der Bogen wohl auch dem Verfall preisgegeben, oder er wurde in der fränkischen Zeit oder des folgenden Mittelalters, als Steinbruch für den Bau von Kirchen, Häusern oder der Stadtmauer verwendet.

Zu der Frage, welches Ereignis zum Bau des Ehrenbogens führte: Nachdem der germanische Feldherr Arminius, auf germanischem Gebiet, drei römische Legionen vernichtend geschlagen hatte, war dies eine große Schmach für Rom. Der Sohn von Drusus, „Germanicus“ wollte diese Schmach wiedergutmachen, indem er mit ca. 30.000 Mann in die Region der Varus-Schlacht zog.

Es gelang ihm, zwei der drei verlorenen Feldzeichen wieder zurückzuholen. Das wiederum brachte ihm in Rom großen Ruhm ein. Aber Germanicus war ein äußert brutaler Feldherr. Das wiederum paßte nicht in Roms Politik. Er wurde abberufen und nach Davne in Syrien versetzt. Dort kam er, im Jahre 19 n. Chr., sehr früh zu Tode.

Man vermutete, daß der Syrische Stadthalter ihn vergiftet hatte. Jetzt besann sich der römische Senat und das Volk an die Heldentat des Feldherren und man beschloß ihm zu Ehren den Bau des Torbogens.

Im Jahre 1896 wurden beim Bau der Kanalisation die Fundamente des Baus schon einmal angeschnitten. Man war sich aber der Bedeutung nicht bewußt. Bei weiteren Bauarbeiten nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Fundamente wieder angeschnitten, aber wiederum unterschätzte man deren Bedeutung.

Eine wissenschaftliche Ausarbeitung fand nicht statt. Die Frage nach dem Baujahr ist nicht mit hundertprozentiger Sicherheit zu bestimmen. Grabsteine von Soldaten der 14. Legion in Mainz erlauben eine Zuweisung des Baues in der Zeit des ersten Aufenthaltes der 14. Legion 43.n. Chr. Wahrscheinlich aber schon früher.

Als Germanicus 19 n. Chr. unerwartet verstarb, beschloß der römische Senat für den verstorbenen Liebling des Volkes Ehrungen von bisher unbekanntem Ausmaß. Dazu gehörte die Errichtung dreier Ehrenbögen. Einer im Zentrum der Macht, in Rom, einer in Syrien, da wo Germanicus verstorben war, und der dritte „apud ripam Rheni“, an den Ufern des Rheins, so der römische Geschichtsschreiber Tacitus.

Wo dies war, geht aus den antiken Berichten aber nicht klar hervor. Der dritte und zwar der größte sollte in der Umgebung jenes Grabmals, das für Drusus, den Bruder des Tiberius Caesar Augustus, errichtet wurde, zu finden sein.

Der Zufall kam der Fachwelt 1986 zu Hilfe, als bei Ausschachtungsarbeiten für den Bau eines Hauses, in der Großen Kirchenstraße in Kastel, riesige Steinquader zutage gebracht wurden. Die städtischen Behörden wurden informiert und die Ausschachtungsarbeiten wurden eingestellt.

Aus ganz Deutschland reiste die Fachwelt an und man wollte den Ursprung feststellen. Schnell war man sich einig, daß das römisch sei. Aber die eigentlichen Arbeiten der Fachwelt begannen, als man die ersten in Stein gemeißelten Zeichen entdeckte. LEG XIIII. Das war der Hinweis auf die 14. Legion, die Hauptlegion des Germannicus. Immer mehr stellte sich heraus, daß es sich hier um den dritten Torbogen handeln muß.

Man beschloß die Fundstelle der Nachwelt zugänglich zu machen, indem man den Keller des Hauses als Museum ausbaute. Dem Bauherrn des Hauses, Bernd Feuerbach, ist hier ein großer Dank auszusprechen, der viel Verständnis für die Verzögerung seines Baues zeigte. Viele Hunderte von Besuchern haben dieses Kellermuseum mittlerweile besucht und waren von den gigantischen Ausmaßen begeistert.

Von April bis Oktober sind die Fundamente jeden Sonntag, in der Zeit zwischen 10:30 Uhr und 12:30 Uhr  zu besichtigen. Quellen: Unterlagen Hans G. Frenz. Der römische Ehrenbogen von Kastel. Archäologische Denkmäler in Hessen.

(Klaus Lehne) - Fotos: Privat

 
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