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Friedrich I. Barbarossa feiert Reichsfest auf der Maaraue
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Friedrich I. Barbarossa feiert Reichsfest auf der Maaraue

Zu den größten und glanzvollsten Festen des Mittelalters gehörte ohne Zweifel das Pfingstfest am 19. Mai 1184, das Kaiser Friedrich I. Barbarossa, auf der Maaraue hielt.

Die Politik des staufischen Kaiserhauses war in den letzten Jahrzehnten zu großem Erfolg gekommen. Der Kaiser hatte seine Stellung gegenüber den Reichsfürsten und dem Papsttum gefestigt. Mit dem Papst und mit Italien hatte er sich ausgesöhnt und es herrschte Ruhe in der Region.

Mit dem Reichsfest vor den Toren von Mainz, auf der Maaraue, sollte  eine Vorstellung von der gegenwärtigen Macht des „heiligen römischen Reiches Deutscher Nation“ gegeben werden. Die Stadt Mainz schien dem Kaiser als Veranstaltungsplatz zu solch einem Fest bestens geeignet:

Zum einen wegen der zentralen Lage, zum anderen wegen der Stellung der Stadt durch ihre mächtige Tradition und als Sitz des Erz- und Reichskanzlers sowie des Erzbischofs.

Die Ehre zum Veranstaltungsort wollte er dem Mainzer Erzbischof, Konrad von Wittelsbach, der beim Papst in besonderem Ansehen stand, zukommen laßen. Da aber Mainz  innerhalb der Stadtmauern eine so große Gästeschar nicht faßen konnte, beschloß der Kaiser, vor den Toren von Mainz, auf der Maaraue, das gigantische Fest abzuhalten.

Aus allen Himmelsrichtungen des Abendlandes strömten die edlen Gäste zusammen. Eine unübersehbare Zahl von Menschen verschiedenster Nationalität vereinigten sich zur Feier.

Auf dem Gelände der Maaraue, dem Gelände um Kostheim und Kastel bis hin nach Erbenheim zum Mechthildisstuhl, entstand eine riesige Feststadt aus Holz- und Zeltbauten.  Die einzelnen Fürsten wetteiferten mit Prunkzelten, Fahnen und Standarten, um ihr Ansehen ins rechte Licht zu rücken.

Die Zelte des Grafen von Hennegau übertrafen die aller übrigen an Zahl und Schönheit. Es soll sogar eine Schiffsbrücke eingerichtet worden sein, die beide Rheinufer miteinander verband.

Nach Schätzungen von Chronisten sollen mindestens 40.000 Ritter mit Gefolge neben Geistlichen, versammelt gewesen sein. Es gibt Berichte, die sogar von 80.000 Rittern mit Gefolge sprechen.

Am Pfingsttag zog der Kaiser mit Gefolge unter dem Geläut der Glocken im Dom ein. Er wurde begleitet von seiner Gemahlin und seinen fünf Söhnen. Er trägt die Reichskrone. Das Reichsschwert wird vorangetragen. Die Herzöge von Böhmen, Österreich, Sachsen, der Pfalzgraf bei Rhein und der Landgraf von Thüringen haben sich um die Ehre gestritten, das Schwert tragen zu dürfen.

Dem Grafen Balduin von Hennegau wird die Ehre zuteil. Die riesige Zahl von geistlichen Würdenträgern, die dem Hochamt beiwohnen, ist imponierend. Die Erzbischöfe von Trier, Bremen und Besançon, die Bischöfe von Regensburg, Chambray, Lüttich, Metz, Toul, Verdun, Utrecht, Speyer, Worms, Straßburg, Basel, Konstanz, Chur, Würzburg, Bamberg, Münster, Hildesheim und Lübeck erscheinen in all ihrer Pracht.

Der Pfingsttag beginnt mit einem Festakt der kaiserlichen Familie. Heinrich und Friedrich, die Söhne des Kaisers, werden feierlich zu Rittern geschlagen. Sie erhalten die „Schwertleite“, den Ritterschlag. Dieser Freudentag des Kaiserhauses soll allen Teilnehmern unvergeßen bleiben.

Ein Beobachter könnte den Tag wie folgt beschreiben: „Auf der rechten Seite des Rheinufers auf einem großen Wiesenplatz ist ein Turnierplatz hergerichtet. Im feierlichen Zug kommen die kaiserlichen Söhne aus dem Dom, wo sie mit einem Priester und Kameraden, wie es der Ritterkodex vorschreibt, unter Beten und Fasten die Waffenwacht halten und kommunizierten.

Dann legten sie weiße Gewänder als Sinnbild der Reinheit und rote Schuhe als Erinnerung an den Opfertod Christi an. Sie sinken vor der kaiserlichen Majestät auf die Knie und schwören, die Kirche zu schützen, ihrem obersten Lehnsherrn allzeit treu zu sein, keine unrechte Fehde zu beginnen, Witwen und Waisen zu schützen und die Frauen zu ehren.

Die Ritter legen ihre Rüstungen an und der Erzbischof von Mainz weiht ihre Schwerter, die der Kaiser ihnen angurtete. Abermals knien die Söhne vor dem mächtigen Kaiser nieder, entblößten Hauptes die langen Schwerter am Kreuzgriff. Mit der flachen Klinge erteilt der Kaiser jedem drei Schläge auf die Schulter und spricht:

„Im Namen Gottes, des heiligen Michael und des heiligen Georg mache ich dich zum Ritter. Sei tapfer, unentwegt und treu! Gott zur Ehre, dem Reich zur Wehr, dem Schwachen zum Schutz, dem Starken zum Trutz! Ertrage diesen Schlag und fürchte keinen!“ Danach vervollständigen die jungen Ritter ihre Rüstungen und reiten unter Jubel zu ihrem ersten feierlichen Turnier, begleitet von schmetternden Fanfahren und umjubelten Zurufen, in die Kampfbahn.

Am Tag nach dem Fürstentag findet erneut ein Turnier statt, in dem die besten Ritter ihr Können unter Beweis stellen. Überall bildet der Kaiser, dessen ungezwungenes Wesen jeden in den Bann zieht, den Mittelpunkt der Veranstaltungen. Trotz seines Alters nimmt er noch an Turnierkämpfen teil.

Am Abend zeigen berühmte Musiker, Dichter und Sänger ihr Können. Es gibt aber auch Berichte, nach dem ein großes Unwetter dem Fest am Nachmittag ein unschönes Ende beschert haben soll. Bäume sollen vom starken Sturm entwurzelt sowie Zelte und Holzhütten vom Sturm zerstört worden sein; und es soll viele Tode gegeben haben. Dieses Fest ging in die Geschichte ein.

(Klaus Lehne) Bilder: Privatarchiv / Denkmal von Friedrich I. auf der Maaraue. Das zweites Bild ist eine mittelalterliche Darstellung und zeigt Friedrich I. mit seinen beiden Söhnen Heinrich und Friedrich.

 
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