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Reise zum Ursprung der Kaffeebohne nach Kolumbien
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Reise zum Ursprung der Kaffeebohne nach Kolumbien

Eine Reise des Kaffee-Rösters Johannes Gammeresbach der Kaffee-Rösterei am Babbeleck in Kastel

Eine Reise zum Ursprung der Kaffeebohne ist wirklich ein Erlebnis. So habe ich mich auf das Angebot meines Rohkaffee-Importpartners aus Hamburg gefreut und die Reise nach Kolumbien in die Region um die Stadt Quimbaya im Bundesstaat Quindio mitgemacht.

Mit dabei waren einige Rösterkollegen und unser „Guide“ Mauricio, dessen Onkel wir ebenfalls besuchten. Nach dem doch sehr langen und anstrengenden Flug über den Großen Teich kamen wir nach einem Umsteigen in Bogota spät nachts in Armenia, der Hauptstadt des Bundesstaates Quindio an.

Nach einer kurzen Nacht ging es sofort nach dem Frühstück zur Finca „La Carmelita“, einem Teil von La Mejorana, wo wir Don Carlos den Farmbesitzer antrafen.

Er führte uns in die Pflanzung und erklärte uns warum die Bodenbeschaffenheit so wichtig für den Kaffee ist. Er ist Agronom und Kaffeebauer mit Leib und Seele.

Das merkte man vor allem an seinen Erklärungen und warum hier den Wildkräutern ein großer Platz gelaßen wird, nämlich um die Kaffeepflanze mit Nährstoffen und Feuchtigkeit zu versorgen.

Ebenfalls zeigte er uns eine Pflanzung von seinem Großvater, der eine Bewässerung vom Tal hinauf in Form eines Baches angelegt hatte, die heute noch funktioniert.

Danach ging er mit uns in einem Kleinod der Gemütlichkeit zum Mittagessen, wo ein ganz vorzügliches landestypisches Essen, das sogenannte Bandeja Paisa, aufgetragen wurde.

Paisa besteht aus Bohnen, Reis, Gegrilltem und vor allem aus Kochbananen und Avocado. Dabei wurden wir von Kolibris umschwirrt; ein wirkliches Kleinod, an den ich mich immer gerne Erinnern werde.

Nach diesem vorzüglichen Essen fuhren wir zur Aufbereitungsstation und dem Trockenmodul der Finca. Dieses Modul wurde von Don Carlos in Eigenarbeit aus Guadua-Bambus errichtet, der auf dem Gelände der Finca wächst.

Bei der Besichtigung der Schälstation und des Fermentationsbeckens wurde uns allen klar daß hier noch einiges im Argen liegt:

Morsches Holz und Technik, insbesondere die sehr eigenwillige Elektroinstallation, die vermutlich noch aus Großvaters Zeiten zu sein scheint, bedürfen doch noch weiterer Investitionen.

Deshalb ist es enorm wichtig mit einem fairen Preis für Rohkaffee dafür zu sorgen, daß es mit den Investitionen weitergehen kann. Denn wenn es nur für das Nötigste reicht, werden Investitionen zurückgestellt oder man hört einfach auf Kaffee anzupflanzen, was in der Nachbarschaft leider schon geschehen ist.

Am nächsten Tag stand am Vormittrag ein Schulbesuch auf unserem Plan. Die Finca „La Mejorana“ unterstützt eine Schule im Ort, um den Kindern Bildung und eine gute Zukunft zu ermöglichen.

Am Abend zuvor hatte ein Tropensturm einen Teil des Daches der Schule beschädigt und wir haben nicht nur unsere mitgebrachten Mal- und Schulsachen übergeben, sondern noch spontan eine Spende der Schule zukommen laßen, zur Reparatur des Daches, damit der Schulbesuch auch weiterhin störungsfrei ablaufen kann.

Im Anschluß ging es dann weiter zu Neftali Madrid, der neben dem Anpflanzen und Experimentieren mit neuen Varietäten auch für seine Kollegen Jungpflanzen aufzieht. Am Nachmittag ging es dann weiter zur Finca „La Samaria“.

Hier lernten wir einen der Pioniere kennen, die sich dem kolumbianischen Bio-Anbau verschrieben haben. Er schilderte uns die Schwierigkeiten bei der Zertifizierung und war glücklich uns seine Urkunden zeigen zu dürfen.

Einen Tag später sind wir im Auto ca. 120 Kilometer unterwegs. Landschaftlich absolut bezaubernd, allerdings bei den teilweise sehr schlechten Straßen doch eine Herausforderung für Mensch und Maschine.

Nach ungefähr 3 Stunden Fahrt nach Riosucio, wo wir Christiano besuchten, einen Ingenieur, der lieber Kaffee anbaut als seinem studierten Beruf nachzugehen. Eine wirklich tolle Geschichte wo sich die Landflucht, die wir von Deutschland auch kennen, einmal in umgekehrte Richtung bewegt hat.

Danach ging es zur indigenen Kaffeebauerngenossenschaft „Ingruma“, die ein kleines aber feines Qualitätslabor eingerichtet hatten. Dort durften wir den Kaffee verkosten, auch den von Christiano.

Dann hatten wir nach den Anstrengungen des Vortags einen etwas geruhsameren Tag. Wir fuhren auf die Finca „La Mejorana“, um noch einige Fotos zu schießen und nochmals die Kaffeeplantage auf uns wirken zu lassen.

Danach ging es zum Qualitätsbüro eines in der Nachbarschaft gelegenen größeren Betriebes, wo dann auch wieder jede Menge Kaffee zu „cuppen“ bereitstand.

Dann ging es auch schon wieder heim. Abflug Armenia um 14.00 Uhr. Weiterflug um 21.00 Uhr ab Bogota. Nächster Tag Ankunft um 15.00 Uhr in Frankfurt.

Fazit: Nach meiner ersten Reise an den Ursprung muß ich feststellen, es ist anstrengend, hat sich aber gelohnt. Bei den Farmern und auch der Bevölkerung sind wir alle sehr freundlich aufgenommen worden und es wird sehr wahrscheinlich nicht bei dieser einen Reise bleiben.

(Johannes Gammersbach)

Fotos: Hans Ripa, Johannes Gammersbach - Mit freundlicher Unterstützung: Gscheid.haferl, Bad Kötzting

 
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