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Ausstellungseröffnung im Museum Castellum anläßlich der Zerstörung von Kastel
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Ausstellungseröffnung im Museum Castellum anläßlich der Zerstörung von Kastel

Wenn Otfried Müller aus seinen Erinnerungen erzählt, dann verspürt man fast hautnah die Schrecken der Bombennächte und -angriffe in der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Müller, Jahrgang 1931, ist einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, die als halbwüchsige Jungs den Krieg mit einer Mischung aus Ängsten, Abenteuern und Ereignissen erlebten, die man sich heute kaum mehr vorstellen kann.

Seine Schilderungen vom Bombenangriff auf Kastel am 8. September 1944 gehen unter die Haut. Er selbst erlebte den Angriff in seinem Gymnasium in Mainz, damals Hermann-Göring-Schule geheißen, heute wieder Schloß-Gymnasium.

Unmittelbar nach dem Angriff liefen die Schüler, welche aus Kastel stammten, eilends über die Straßenbrücke nach Hause, oder je nachdem, was vom Zuhause noch übriggeblieben war.

Die Angst um die Eltern, Großeltern, Geschwister und Verwandte trieb sie dazu, sich in einen von zahllosen Bomben getroffenen Ort zu wagen, der im Ortszentrum lichterloh brannte.

„Die Hitze war kaum zu ertragen“, schildert Otfried Müller seine Empfindungen. Sein Elternhaus in der Kloberstraße hatte einen selbstgebauten Bunker.

Dort, so hoffte er, hatte sich die Familie schützen und das Inferno überleben können.

Sein Vater hatte immer die Angewohnheit, noch während eines Angriffes auf das Dach des Hauses zu steigen, und eigenhändig die steckengebliebenen Stabbrandbomben zu entfernen.

Endlich daheim angekommen, konnte er feststellen, daß seine Familie den Angriff überlebt hatte.

Nur das Schicksal der Großmutter war ungewiß. In dem Haus in der Zehnthofstraße, wo sie wohnte, waren allein neun Personen umgekommen.

Sie hatte sich selbst aus dem Keller retten können, und fand sich zur Erleichterung ihrer Familie am Ludwigsplatz ein.

Da die Familie Müller selbst vom Bombenangriff verschont blieb, mußten sie in ihrer Wohnung anderen Bombenopfer vorerst Unterkunft gewähren. So auch der Familie Wagner aus der Schützenstraße, deren Töchter beim Angriff im Keller verblieben waren, als die Eltern an den Rhein flohen.

Beide Elternteile waren der Meinung gewesen, daß der jeweils Andere die Kinder aus dem Keller mitgenommen habe. In der Dunkelheit waren die Kinder von den Eltern getrennt worden, und erstickten im Rauch und Staub.

Für sie und weitere 430 Mitbürger aus Kastel und der Kostheimer Siedlung war es der Todestag. Otfried Müller beschreibt dieses Geschehnis als eines der schrecklichsten persönlichen Erlebnisse im Krieg. Doch auch den anderen Überlebend stand der Schrecken und die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben.

Fassungslos und hoffnungslos saßen sie vor ihren zerstörten Häusern auf den Resten ihrer Habe, und wußten nicht, wie das Leben nun weitergehen sollte. Für die meisten der Ausgebombten kam nur die Evakuierung ins Rheinhessische in Frage.

Anläßlich des 50. Jahrestages 1994 erlebte der Autor eine Trauerfeier auf dem Friedhof in Kastel, bei welcher der damalige Vereinsringvorsitzende Josef Rosendorn seine Erlebnisse und Eindrücke in der Gedenkrede schilderte.

Er selbst war damals 14 Jahre alt, und konnte nahe seinem Wohnhaus „An der Klaus“ miterleben, wie die Leichen der getöteten Kasteler Bürger auf den Rheinwiesen an der Eleonorenstraße gesammelt und aufgereiht abgelegt wurden.

Mit dem Pfarrverwalter der katholischen Gemeinde St. Georg, Dr. Ludwig Berg, begann man einige Tage später mit der Beisetzung der Verstorbenen, die erst nach der Identifizierung freigegeben worden waren. Ganze 14 Tage war man damit beschäftigt die Toten beizusetzen.

Von morgens bis abends waren Dr. Berg und Josef Rosendorn als Messdiener auf dem Friedhof zugange. Immer wieder wurden die Beisetzungen von Fliegeralarmen unterbrochen. Das ging an die Grenzen des Erträglichen.

Die Gesellschaft für Heimatgeschichte Kastel hat anläßlich des 75. Jahrestages dieses Ereignisses erneut eine Ausstellung zusammengestellt, die in Inhalt und Aussage auch das Umfeld der damaligen Verhältnisse beleuchten soll. „Nicht nur die Zerstörung allein steht im Mittelpunkt, sondern auch das tägliche Leben der Menschen in damaligen Zeit wollen wir darstellen“, so die Erläuterung des Kurators der Ausstellung, Peter Muttke.

Der zweite Vorsitzende der Gesellschaft hat dabei viel Material gesammelt, Bücher und Aufzeichnungen ausgewertet, und sich um Exponate bemüht. So konnte der Kampfmittelräumdienst Hessen in Darmstadt originales Bombenmaterial zur Verfügung stellen, das eindrucksvoll am Eingang zum Ausstellungsraum gezeigt wird.

Brandschutzmittel und deren Bevorratung, Werbung für den Luftschutz, Propagandamaterial und Erläuterungen zum Bombenkrieg runden die Darstellungen des damaligen Geschehens ab.

Zur Ausstellungseröffnung am 11. 8. waren zahlreiche Besucher gekommen, die vom 1. Vorsitzenden Karl-Heinz Kues begrüßt wurden. Er hob die Bedeutung des Ereignisses in der Kasteler Ortsgeschichte hervor, und mahnte an, daß man an diesen Gedenktag in jedem Jahr erinnern sollte.

Sein Dank galt den Zeitzeugen sowie den Persönlichkeiten, die mit Material für die Ausstellung zu deren eindrucksvoller Darstellung beisteuerten, und besonders Peter Muttke, der die Ausstellung konzipiert und etliche Ausstellungstafeln selbst entworfen und gestaltet hat.

Die Ausstellung ist bis zum 17. November d. J. jeweils sonntags von 10.30 bis 12.30 Uhr zu sehen. Führungen können unter den Rufnummern (06134) 3763 oder 1313 vereinbart werden.

Am 8. September findet um 11.00 Uhr im Museum Castellum eine Gedenkveranstaltung statt, bei der die Stadtverordnetenvorsteherin der Landeshauptstadt Wiesbaden, Frau Christa Gabriel, die Gedenkrede halten wird. Ebenso werden die Oberbürgermeister der Städte Mainz und Wiesbaden an der Gedenkfeier teilnehmen.

Am gleichen Tag findet um 17.00 Uhr eine Kranzniederlegung auf dem Friedhof Kastel an der Boelckestraße statt. Darauf folgt um 18.00 Uhr eine ökumenische Andacht in der katholischen Kirche St. Georg, am Rochusplatz.

(Text und Bilder: GHK)

 
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