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Historie und Natur im Doppelpack
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Historie und Natur im Doppelpack

Wißenswerte Exkursion mit Heimatforscher Klaus Lehne und Umweltschützer Toni Kaiser

Am Wochenende fand eine Premiere mit geladenen Interessenten, darunter Stadtverordnetenvorsteherin + Kasteler Ortsvorsteherin Christa Gabriel und Schulleiter Roland Herrmann von der Wilhelm-Leuschner-Schule statt.

Auf Iniative vom Heimatforscher Klaus Lehne und den Vorsitzenden Toni Kaiser vom Kasteler Angel-Sport-Verein wurde eine informative Wanderung durch die Kasteler Gemarkung zum Ochsenbrunnen und sagenumwobenen Teufelssprung vorgenommen.

Die noch „unbebaute Naturlandschaft“ prägte die Kasteler Gemarkung auch mit ihrer wechselvollen Geschichte der Jahrhunderte. Die Wanderung führte auch zum Schmalweg, der erstmals 1333 in der Chronik erwähnt wurde und nach Erbenheim führt.

1184 fand auf der Maaraue des Reichsfest durch Kaiser Friedrich I. 'Barbrossa genannt' das größte Fest des Mittelalters, statt. 40.000 Ritter mit Gefolge hatten sich eingefunden. Eine gigantische „Zeltstadt“ entstand, die von der Maaraue über große Teile des Kasteler Feldes bis nach Erbenheim aufgebaut war.

Die Zelte standen auch rechts und links des Schmalwegs. Seit dem Mittelalter hatten Feldstücke Namen: Flurnamen: Kuhtränke, ehemalige Viehweide mit Tränkstelle. Zehlen; darunter verstand man den Teil der Flur mit ihrer Dreifelderwirtschaft, der im ersten Jahr im Herbst mit Winterfrucht bestellt wurde, im nächsten Jahr erst im Frühling bestellt wurde, im dritten Jahr aber in der Brache lag. Igelstein: So genannt nach einem Mark- oder Grenzsteine. Abgeleitet von Adlerstein, einem römischen Heiligtum.

Neben dem Schmalweg legten 2009 Spezialisten Spitzgräben frei, die von einem römischen Lager in der hiesigen Region stammen, aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert. Es handelte sich um ein Ausbildungslager. Der angrenzende Ochsenberg mit Spitelstück war seit der römischen Epoche für den Weinbau bestimmt. Im Bereich des Ochsenberges befindet sich der Weismauerweg. Der Name weist auf eine römische Flurbefestigung hin.

In Abstimmung mit Heimatforscher Klaus Lehne, wies Toni Kaiser auf die Vielzahl von Flora, Bäume, Brombeerhecken, Felder mit Kartoffeln, Weizen, Gerste, Roggen und Hafer hin, sowie auf den Tierbestand, die in der Gemarkung ein fester Bestand sind.

Der ASV-Vorsitzende wies auch auf die Renaturierungen hin, die 2007 mit Königfloßquelle und 2012 mit der Ochsenbrunnenquelle durch den Verein erbracht wurden.

Hingewiesen wurde auch auf das Wasserwerk Kastel, das 1898 erbaut wurde. Ein Wohnhaus mit Pumpen- und Kesselhaus. Seit dieser Zeit förderten 2 mit Dampf getriebene Kolbenpumpen innerhalb einer Stunde 150 m³ Wasser aus 9 Brunnen. Für den erforderlichen Dampf war eine Heizanlage mit einem 30 m hohen Schornstein Tag und Nacht im Betrieb.

1955 wurde die Wasserversorgung vom Wasserwerk eingestellt, und Kastel an die Wasserversorgung von Mainz angeschloßen. Heute dient das Wasserwerk nur noch zur Druckerhöhung und wird automatisch von Mainz gesteuert. Dies berichtete Toni Kaiser, dessen Großvater der letzte Kasteler Wasserwerker war.

Bei einem herzhaften Imbiss mit „Budweiser-Flaschenbier“ von der Brauerei Annheuser-Busch in St. Louis erläuterte Klaus Lehne mit Dokumenten die Entstehung des Grotten-Gewölbes. Der gebürtige Kasteler Adolphus Busch, der in St.- Louis (USA) die größte Bierbrauerei der Welt gründete und 1883 unter den Namen „Budweiser“ eine neue Biersorte auf den Markt brachte.

Aus Liebe zu seiner alten Heimat Kastel, ließ er 1902 über der Quelle des Ochsenbrunnens ein Grottengewölbe errichten. Das Gewölbe wurde von den Kastelern für viele Veranstaltungen genutzt. Auch in den Nachkriegszeiten. So zog man am 1. Mai mit einer Musikkapelle von Kastel zum Ochsenbrunnen um dort ausgiebig zu feiern.

In den 80er Jahren machte es sich der BMW-Club zur Aufgabe den "Ochsenbrunnen" zu betreuen und opferte viele Arbeitsstunden in dessen Pflege und Erhalt.

In den 90er Jahren wurde die Begegnungsstätte durch Vandalismus geschädigt. Dank des Angelsportvereines „Früh- Auf-Kastel“ wiederhergestellt und beaufsichtigt.

Toni Kaiser wies auf das Leben im Wasser hin. Flohkrebse, Köcherfliegenlarve, Dreieckskopfstrudelwurm, Wasserskorpione und kleinen Muscheln, die im Ochsenbrunnenbach zu sichten sind.

Will man die Quelle des legendären Teufelssprungs erreichen, so gelangt man über die Steinern Straße in Höhe des Fähnchen- Kreuzes links auf einen Feldweg. Nach ca. 500 Metern unterquert der Bachlauf des Königsfloßbaches den Weg, direkt hinter dem Bachlauf rechts ca. 200 Meter.

Man hat jetzt ein Biotop erreicht, in dem sich der Teufelssprung, oder Königsfloßbaches befindet. Der Königsfloßbach wurde im Bereich von Kastel, sowie der Ochsenbrunnenbach auch Lohr-Bach genannt, weil das Wasser von den Gerbern zum Reinigen von Tierhäuten verwendet wurde.

„Fähnchenkreuz“ so wird das alte Feldkreuz in der Gemarkung Kostheim bezeichnet. Seinen Namen hat das 5 m hohe Kreuz von einer Wetterfahne, die es ziert und zu einer Seltenheit macht. Das Kreuz wurde im Jahre 1697 errichtet.

Der Abschluß fand in der Steinern Straße statt. Heimatforscher Klaus Lehne wies auf den römischen Namen „aput lapide“ (bei den Steinen) hin. Im Mittelalter „Elisabethenstraße“ genannt. Ein Pilgerweg nach Marburg zur hl. Elisabeth. Hingewiesen wurde, daß an dieser Straße im frühen Mittelalter die Galgen standen, an denen Verurteilte wegen schwerer Vergehen gehängt wurden. Dies war zur Abschreckung aller, die hier vorbeikamen gedacht. Das Urteil wurde ganz in der Nähe, im Königssondergau, wo auch der Königsstuhl stand, ausgesprochen.

Dieser Rundgang wird ab nächstem Jahr durch die VHS-AKK angeboten. Gruppen können sich direkt bei Toni Kaiser Tel. Nr.06134 65253, oder Klaus Lehne Tel.Nr. 06134 62776 melden.

(Herbert Fostel)

 
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