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Kartoffelernte in Kastel vor 65 Jahren und heute...
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Kartoffelernte in Kastel vor 65 Jahren und heute...


(Erzählt von Klaus Lehne und Toni Kaiser)

Wie war das damals? - Toni Kaiser und Klaus Lehne können sich noch genau erinnern, wie das vor 65 Jahren war! Vorrangig waren die Schulaufgaben, die zuerst erledigt werden mußten. Danach ging es auf den Kartoffelacker. Wir hatten Landwirt Hans Koch unsere Zusage gegeben, daß wir bei der Ernte helfen. Er und weitere Helfer waren bereits bei der Arbeit, als wir eintrafen.

Vollernter, wie sie heute eingesetzt werden, gab es zur damaligen Zeit noch nicht. Mit einem Karst (einer Hacke mit zwei breiten etwa 20 cm langen Zinken) hatte Hans Koch bereits ein paar Kartoffeln ausgehackt, um die Reife zu prüfen. Nun kam die Kartoffelschleuder zum Einsatz. (Foto rechts)

Von zwei kräftigen Ackerpferden, zwei Kaltblütern, gezogen holte die Scharte des Roders die Kartoffeln aus dem Boden. Das Schleuderrad schleuderte die Kartoffeln zur Seite, sodaß sie oberhalb der Erdkrummen lagen.

Per Hand erfolgte dann die Lese, die wir nach kurzer Arbeitseinweisung durch Bauer Koch vornahmen. Sortiert wurde gleich in Weidenkörbe. Die beschädigten Kartoffeln, die als Viehfutter im eigenen Stall verfüttert wurden, landeten in einem separaten Korb. In einen weiteren Korb kamen die kleinen Kartoffeln, die auch für den Verkauf bestimmt waren.

Durch leichtes Hin- und Herdrehen des Korbes löste sich die restliche Erde von den Kartoffeln. Anschließend wurden sie in Säcke verfüllt.

In einer langen Reihe standen die Säcke paarweise zusammen, wobei die Säcke mit den beschädigten Kartoffeln außerhalb der Reihen standen.

Immer wieder wurden wir von Helfern belehrt, darauf zu achten, daß keine beschädigten Kartoffeln bei den guten landeten.
Nach vier Stunden war die Lese beendet. Unsere Eltern wie auch die älteren Helfer klagten über Kreuzschmerzen. Jetzt kam der Teil, auf den wir uns die ganze Zeit schon gefreut hatten.

Der gemütliche Teil nach der Arbeit. Das Abendbrot, welches auf dem Acker gereicht wurde. Frisch gepresster Apfelmost, eine Brotstulle, dick mit „Hausmacher Wurst“ belegt. Für uns Kinder blieb es nicht bei einen Glas Most, auch nicht bei einer „Wurststulle“. Nach der langen Arbeit waren wir hungrig geworden.

Mittlerweile hatte Landwirt Koch die Pferde vor eine Rolle (Anhänger) gespannt. Die Kartoffelsäcke mußten ja noch aufgeladen und eingefahren werden. Aber das war eine Arbeit für gestandene Männer, da die Säcke ein Gewicht von einem Zentner hatten. Sie wurden in eine Halle gefahren, wo sie abgeladen und gelagert wurden.

Im folgenden Jahr wurden die Pferde durch einen Traktor ersetzt. Abends zu Hause wurde sich gewaschen und wir fielen müde ins Bett. Fernsehen gab es noch nicht. Wir wären auch zu müde dazu gewesen...

Wie ist das heute? - Nach 65 Jahren wollten wir wieder bei einer Kartoffelernte dabei sein. Landwirt Jürgen Koch, in der 6. Generation des Familienbetriebes, war gerne bereit, uns auf dem modernen Kartoffelroder mitfahren zu laßen. Ein riesiges Gefährt, das von einem 150 PS starken Traktor gezogen wird.


Über einer zu erntenden Reihe Kartoffeln wird der Roder in Position gebracht und abgesenkt. Eine Pflugscharte befördert die Kartoffeln aus der Erde, wobei sie direkt von einem Förderband aufgenommen und auf die Arbeitsbühne weitertransportiert werden.

An einem weiteren Förderband stehen rechts und links vier Arbeiter, die Erde, Kraut und kleine sowie beschädigte Kartoffeln aussortieren. Erde und Kraut werden über ein kleines danebenliegendes Band wieder zurück zum Acker transportiert, die kleinen und die beschädigten Kartoffeln werden in separate Körbe geworfen.

Nach dem Aussortieren wird die restliche Ernte vom Förderband in einen großen Auffangbehälter transportiert. Nach sechs Kartoffelreihen war der Behälter voll. Über eine Hydraulik wurde der Auffangbehälter des Roders in die Höhe einer Rolle gefahren und darin entladen.

Jürgen Koch erkläre uns noch die Technik und Elektronik des Traktors. Er betonte, daß er während der Fahrt immer auch über einen Monitor den Arbeitsbereich im Auge hat und so bei Problemen jederzeit den Arbeitsvorgang unterbrechen kann. Auch die Werte des technischen Zustandes ist jederzeit in der Fahrerkabine über zwei weitere Monitore zu kontrollieren.

Das alles ist finanziell nur zu stemmen, weil der Hof bereits in der sechsten Generation geführt wird. Einen Hof neu aufzubauen, ist –wie Koch betonte– in der heutigen Zeit aufgrund der hohen Investitionskosten nahezu unmöglich. Sein Sohn studiert Agrarwissenschaften und wird den Hof übernehmen. Schön zu wissen, daß es auch in der siebten Generation für den Hof der Familie Koch weitergeht...

 
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