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AKK zurück nach Mainz - Der Papa wird’s schon richten
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AKK zurück nach Mainz - Der Papa wird’s schon richten

Kommentar von Herbert Fostel

Zum Gedenken an die Eingemeindung vor 100 Jahren von Kostheim nach Mainz anno 1913 fand eine Sonderausstellung am 15. März vom Kostheimer Heimatverein im St. Veit-Saal mit Ehrengästen statt. Dabei verglich der Mainzer OB Ebling – SPD – Mainz und Kostheim mit einer Patchwork-Familie.

„Das Kind lebt bei der Stiefmama. Auch wenn der Papa momentan etwas klamm ist, so bleibt er doch gemeinsam mit der Stiefmama bestrebt, dass es dem Kinde gut geht.“ Der gebürtige Wiesbadener Stadtrat Rainer Schuster – SPD – antwortete dazu artig „Danke Papa“.

Vorsitzender Holm Collofong des Heimatvereins unterstrich dies mit seinem flammenden Bekenntnis: „Wir sind und bleiben Mainzer!“ Bei diesem einträchtig „familiären“ Treffen wurden Erinnerungen geweckt zu AKK – ein ewiges Thema.

Im Juni 1986 hatten die Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen rechtsrheinischen Mainzer Vororte Amöneburg, Kastel und Kostheim die Gelegenheit, in einer zwischen den beiden Städten Mainz und Wiesbaden und den Repräsentanten der AKK-Vororte vereinbarten Bürgerbefragung ihre Meinung offiziell kundzutun.

Es standen zur Debatte, sollen die Stadtbezirke wieder nach Mainz zurück, oder wollen sie sich mit Wiesbaden vereinigen oder gar selbständig werden? Die triftigen Argumentationen der Kontrahenten glichen einer Inszenierung der Richard Wagner-Oper „Götterdämmerung.“ Pro und Kontra für das Zusammengehen mit der jeweiligen Stadt stand auf dem Prüfstand.

Die Vereinigung „Bürger von AKK für Mainz“ und „AKK für Wiesbaden“ warben mit viel Emotionen für die Bürgerbefragung. Die Bürgerbefragung war nur möglich geworden durch die Wiesbadener SPD beim Kommunalkampf 1985, in AKK die Meinung der Bürgerinnen und Bürger über ihre zukünftige Zugehörigkeit zu Mainz oder Wiesbaden festzustellen.

Der damalige Wiesbadener OB Achim Exner – SPD – hatte dabei die fixe Idee, ganz einfach festzustellen, dass Stimmenthaltungen als Zustimmung zum Erhalt des Status quo gezählt werden sollten. Der Mainzer OB Jockel Fuchs – SPD – entschied sich für die Durchführung der Bürgerbefragung, um die einmalige Chance zu nutzen.

Nach Artikel 29 des Grundgesetzes konnten bei kleineren Gebietsveränderungen in Folge des zweiten Weltkrieges Bürgerbefragungen durchgeführt werden mit dem Ziel, einer entsprechenden Grenzänderung. Dies traf nur zu für die Gebietsteile, die nicht mehr als 10.000 Einwohner umfassten.

AKK hatte jedoch weit mehr Einwohner aufzuweisen. Deshalb hätte der Deutsche Bundestag eine entsprechende Ergänzung des Grundgesetzes vornehmen müssen, wenn der vorgesehenen Bürgerbefragung auch Taten folgen sollten.

Die Bundestagsabgeordneten engagierten sich im Anhörungsverfahren zu Gunsten ihrer Landeshauptstädte. Während der Mainzer OB Jockel Fuchs – SPD – für eine Änderung eintrat, war der Wiesbadener Achim Exner – SPD – vehement gegen eine Änderung des Grundgesetzes. Dieses historische Ereignis fand am 5. Juni 1986 im Bonner Bundestagshaus statt.

Nach Abschluss der schriftlichen und geheimen Befragung wurden am 19. Juni im Wiesbadener Rathaus, unter Anwesenheit von Mainz und AKK die Stimmzettel ausgezählt. Immerhin beteiligten sich 69,1 Prozent der stimmberechtigten Einwohner an der Befragung.

Wenn man die dürftigen aktuellen Wahlbeteiligungen an der Wiesbadener OB-Wahl vergleicht, ist der „Evergreen“ passend: „Wer wird das je verstehen…?“ Zurück zum Votum der Einwohner in AKK: 61,2 Prozent sprechen sich für Mainz aus, 32,7 Prozent für Wiesbaden und 6 Prozent wollen selbständige Gemeinden.

„So sehen Sieger aus…“, mitnichten, die Crux für Mainz waren die Stimmenthaltungen! Diese Fakten zählten die Wiesbadener ohne Zögern nicht nur als Stimmen für den Erhalt des Status quo, sondern als Stimmen für Wiesbaden.

Summa summarum wurden die rund 30 Prozent der Stimmenthaltungen zu den 32,7 Prozent hinzu gerechnet, die für Wiesbaden votiert hatten. Dies war Ursache und Folge für ein „60 Prozent“-Bekenntnis zu Wiesbaden. Der Wiesbadener OB Achim Exner – SPD – ließ herzlichst grüßen.

Die Sonderstellung AKK zwischen beiden Landeshauptstädten besteht seit 1969 durch den Wiesbadener OB Rudi Schmitt – SPD – und Mainzer OB Jockel Fuchs – SPD -, in Abstimmung beider Stadtparlamente, in Form eines Nachbarschaftsvertrages, der bis zum heutigen Zeitpunkt Gültigkeit hat.

Man darf daher gespannt sein, wie der zukünftige designierte Wiesbadener OB Sven Gerich – SPD – als deklarierte „Stiefmutter“ den Lockrufen des Mainzer OB Michael Ebling – SPD -, als selbst ernannten „Papa“ widerstehen kann.

In der blühenden politischen Landschaft mit ihren wechselnden Mehrheiten ist nichts mehr unmöglich…- wenn auch dabei von Fall zu Fall die Vernunft zu Realität verkümmert auf der Strecke bleibt.


 
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