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Es war einmal ein Wassserzähler... (Leider kein Märchen!)
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Es war einmal ein Wassserzähler... (Leider kein Märchen!)

Es war einmnal ein Wasserzähler, der diente dazu den Stadtwerken Mainz anzuzeigen, welche Wassermenge im Laufe eines Jahres in dem Grundstück, in welchem er installiert war, anzuzeigen, damit die Stadtwerke Mainz dem Grunstücksbesitzer eine entsprechende Rechnung stellen konnte.

Daß die Ablesung nicht durch die Stadtwerke selbst, sondern durch eine andere "Stadteigene Fima" erfolgte, wäre einen weiteren Kommentar würdig, aber wir wollen nicht abschweifen.

Der oben erwähnte Wasserzähler ist nun leider nicht in einem gut zugänglichen Keller des Hauses installiert, sondern direkt an der Grundstücksgrenze in einem 2m tiefen Schacht untergebracht. Dies ist dem Wasserzähler zwar ziemlich egal, nicht aber den Herren Ablesern...

Diese netten Herren sind nämlich dazu da, den Zähler abzulesen, aber nicht um in einen 2m tiefen Schacht zu steigen, obwohl dies eigentlich ganz einfach ist. Erst später wurde offenbar, daß dazu ein anderer Kollege, ein sogenannter "Schachter" zuständig ist.

Nur leider beauftragte man diesen Kollegen nicht, sondern man erklärte (mehrmals) "Do stei ich jetzt awwer nit enoi!" in schönstem Meenzerisch... Nun kam der "Schachter" aber garnicht zum Einsatz, oder er hatte auch keine Lust "einzusteigen"...

 

...und was macht man in so einem Fall? Klug wie die Mainzer Wasserableser nun mal sind, machten sie das einfachste, sie "lasen" den Zähler bei geöffnetem Schachtdeckel einfach aus 2m Entfernung von oben ab! Wie sich später herausstellte keine so gute Idee!

Denn: Leider besteht zwischen dem Zähler-Innern und der Außentemperatur im Schacht eine Differenz, die dazu führt, daß die Zählerscheibe beschlägt und man nichts mehr sehen kann. Die klugen Zählerbauer haben aber daran gedacht und einen kleinen "Wischer" eingebaut, mit dem der Ableser das Schauglas reinigen kann und gute Sicht hat...

Dummerweise muß der Ableser aber zu diesem Zweck in den Schacht steigen... (Der geneigte Leser ahnt schon, was nun weiter geschah) ...doch liebe Leute höret weiter zu:

Die "abgelesene" Zahl war natürlich reine Fantasie. Wenn eine solche Sache passiert bekommen die Ableser normalerweise eine sogenannte "Unplausiebel-Meldung" angezeigt. ob dies in vorliegendem Fall nicht geschah oder einfach ignoriet wurde, muß der Fantasie (diesmal der des Lesers) überlassen bleiben...

Jedenfalls erhielt der Grunstücksbesitzer eine sehr "fantasiervolle" Rechnung so um die 7000 Euro (!) - Da gabs auch keine "Unblausiebelmeldung" sondern eine klasklare Abbuchung vom Bank-Konto.

Aber lieber Leser, höre weiter, Du brauchst Geduld: Klar daß gegen die Rechnung Einspruch erhoben wurde. Der sehr freundliche Sachbearbeiter der Rechnungsstelle stellte sich die Wassermenge vor, die bei diesem Betrag hätte entnommen werden müsssen und auch ihm war klar, das kann nicht sein...

Der Vorgang wurde gestoppt, das abgebuchte Geld jedoch floß nicht an den Grunstücksbesitzer zurück! Der korrekte Sachbearbeiter ordnete vielmehr an, daß die Stadteigene Firma, welche für die Ablesungen zuständig ist, nochmal eine Ablesung vornimmm.

Leider war dieser gute Mensch jedoch auch wieder kein "Schachter" und so kam es, wie der geneigte Leser nun abermals vorausahnen kann, er "las" nicht ab, er "vermutete" ab und bestätigte den Zählerstand...

Nun ist unser wackerer Grundstücksbesitzer. er ist übrigens 72 Jahre alt, keiner von der Sorte, mit der man wie man früher mal sagte, "Rasselböcke" fangen kann. Er nahm die Sache buchstäblich selbst in die Hand und ging die Sache mit "kriminalistischer" Energie an:

Zunächst öffnete er selbst den schweren Deckel des Schachtes, (daß er es fast nicht geschafft hätte, wollen wir hier aus Höflichkeitsgründen verschweigern) und stellte fest, daß sich die kleinen Kontrollrädchen nicht bewegten, sie standen "wie gemeißelt" !

Nachdem so eine Rohrleckage oder Wasserrohrbruch ausgeschlossen war gings weiter an die Ermittlungen. Nun war Körpereinsatz gefragt! Der 72-jähjrige stieg in den Schacht ein, nicht wissend ob er jemals wieder das Tageslicht sehen würde, und betätigte am Zähler den Wischer zur Klarsicht und las die Zahl ab.

Danach erhöhte sich seine Körpertemperatur erheblich, denn es stieg eine ziemliche Wut in ihm auf! Die Zahl, die er sah entsprach nämlich ganz und garnicht der Zahl, die die "Ableser" gesehen haben wollten, deckte sich jedoch ziemlich genau mit dem Verbrauch, der auch die Jahre zuvor festgestellt wurde...

Mit der Wut im Bauch kam er dann auch ziemlich schnell aus dem Schacht heraus und nur wenige Minuten später kam er mit einem Zeugen und einer Kamera bewaffnet wieder zum Schacht zurück. Nachdem der Zeugte den von ihm abgelesenen Stand bestätigt hatte, kroch er nun selbst wieder hinein und machte ein Foto des Zählers mit dem tatsächlichen Stand zu diesem Zeitpunkt.

Dieses nicht zu wiederlegende Beweismittel ging nun an die Stadtwerke, die sich zunächst auch beeindruckt zeigten. Da die Zählernummer auf dem Foto jedoch nicht zu sehen war, bat man ihn ein neues Foto zu machen auf dem dies der Fall sei.

Nun erhöhte sich seine Körpertemperatur (obwohl außerhalb des Schachtes) erneut, er lehnte aber höflich dieses Ansinnen ab und wollte, daß ein Ableser der dafür zuständigen Stadteigenen Firma ein eigenen Foto erstellen sollte.

Nach einigen Tagen erschien auch ein sehr netter Mensch und wollte das Problem vor Ort lösen. Leider, (was nun kommt stimmt wirklich!) war auch dieser nette Mensch kein "Schachter" und nicht bereit in den Schacht einzusteigen.

Ob es nun eine Anwandlung von Mitleid war oder die Bemerkung des Grunstücksbesitzers er sei ja auch mit 72 mehrmals "drin" gewesen, wird man nicht erfahren, jedenfall stieg der liebe Mensch dann, obwohl kein "Schachter" (!) in die Unterwelt ein, nahm sein eigenes Handy und machte Fotos vom Zählerstand!

Nach einigen Minuten kam er wieder durch die Luke nach draußen und sagte nur lapidar: "Sie hawwe Recht!" Wie die Sache endete, ist schnelll erzählt:

Es vergingen noch einige Tage und es wurde eine neue, diesmal stimmende Abrechnung erstellt und der gezahlte "Fantasiebetrag" gutgeschrieben un der kamm nochmal einige Tage später auch auf dem Bankkonto des Grundstückseigentümers an. Der hatte zwar die Sollzinsen für einige Tausend Euro selbst zu zahlen, aber wer wird denn so kleinlich sein...

...und so endete dieses leider wahre "Märchen" mit einer Erkenntnis: Es gilt immer noch, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser und so wird unser wackerer Grunstücksbesitzer zukünftig die "Ablesungen" mit dem "Schachter" (Falls einer kommt) kontrollieren und eigene Notizen machen... (Übrigens jedem empfohlen!)

 
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