Die klassische Zigarette hatte in den vergangenen Jahren zunehmend Konkurrenz bekommen. E-Zigaretten, Nikotinbeutel und andere rauchfreie Produkte sind inzwischen weit verbreitet. Gleichzeitig haben Rauchverbote und Aufklärungskampagnen die gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
Eine aktuelle Befragung zeichnet nun ein anderes Bild. Vor allem jüngere Erwachsene nehmen Rauchen offenbar wieder häufiger als Teil eines bestimmten Lebensstils wahr. Leider! Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse Wissenslücken beim Thema Nikotin. Das geht aus dem aktuellen „Nicotine Product Harm Perception Report 2026“ im Auftrag von Haypp hervor, für den in Deutschland 2.000 Erwachsene befragt wurden.
Vor allem junge Erwachsene sehen Rauchen wieder als Trend
26,4 Prozent der Befragten glauben, dass Rauchen wieder in Mode kommt. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt der Anteil bei 35,5 Prozent. Unter den 25- bis 34-Jährigen sind es sogar 36,8 Prozent.
Damit nimmt in beiden Altersgruppen mehr als jeder Dritte ein mögliches Comeback der Zigarette wahr. Die Zahlen zeigen allerdings nur, wie die Befragten die gesellschaftliche Entwicklung einschätzen. Ob tatsächlich wieder mehr junge Menschen rauchen, lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Zigarette gewinnt als Lifestyle-Symbol an Aufmerksamkeit
Lange wurde Rauchen in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem mit gesundheitlichen Risiken, Abhängigkeit und Einschränkungen verbunden. Bei einem Teil der jüngeren Erwachsenen scheint daneben wieder ein anderes Bild zu entstehen. Die Zigarette wird stärker mit Ästhetik, Individualität oder einem bestimmten Lebensgefühl verbunden.
Mode, Musik, Film und soziale Netzwerke können solche Bilder prägen. Einen direkten Zusammenhang zwischen medialer Inszenierung und verändertem Rauchverhalten weist die Befragung jedoch nicht nach.
Jeder Vierte sieht Prominente häufiger rauchen
25,8 Prozent der Befragten geben an, Prominente und Influencer heute häufiger rauchend wahrzunehmen als noch vor einigen Jahren. Gerade in sozialen Netzwerken können Fotos und kurze Videos eine hohe Reichweite erzielen. Die Zigarette erscheint dort häufig nicht nur als Tabakprodukt, sondern als Teil eines bestimmten Looks oder einer Inszenierung. Ob Prominente tatsächlich häufiger rauchen, wurde in der Studie nicht untersucht.
Die klassische Zigarette gilt teilweise als „cooler“
Auch beim Vergleich verschiedener Nikotinprodukte zeigt sich ein auffälliges Bild. 27 Prozent der Befragten halten Zigaretten für „cooler“ als E-Zigaretten. Gegenüber Nikotinbeuteln fällt der Unterschied noch größer aus: 36,8 Prozent empfinden die klassische Zigarette als gesellschaftlich attraktiver. Die Ergebnisse zeigen, dass gesundheitliche Risiken und gesellschaftliches Image nicht zwangsläufig gleich bewertet werden.
Beim Thema Nikotin herrscht weiterhin Unsicherheit
73,5 Prozent der Befragten glauben laut Untersuchung, dass Nikotin selbst Krebs verursacht. Die Studienautoren sehen darin einen Hinweis auf bestehende Wissenslücken. Nikotin ist vor allem für die Abhängigkeit von Tabak- und Nikotinprodukten verantwortlich. Ein großer Teil der bekannten Krebsrisiken des Rauchens entsteht dagegen durch Schadstoffe, die beim Verbrennen von Tabak freigesetzt werden. Das bedeutet nicht, dass Nikotin oder nikotinhaltige Produkte gesundheitlich unbedenklich sind.
Studienautoren sehen Folgen für die Risikowahrnehmung
Nach Einschätzung der Autoren können falsche Vorstellungen über Nikotin dazu führen, dass Verbraucher unterschiedliche Produktarten gesundheitlich ähnlich bewerten. Das ist eine Interpretation der Studienautoren. Die Befragung selbst zeigt, welche Vorstellungen die Teilnehmer haben, nicht aber, wie stark diese ihr tatsächliches Konsumverhalten beeinflussen.
Deutschland fällt im internationalen Vergleich auf
Auch im Vergleich mit anderen Ländern zeigen sich Unterschiede. In Deutschland glauben 26,4 Prozent der Befragten, dass Rauchen wieder in Mode kommt. In den USA liegt der entsprechende Anteil laut Report bei 16,6 Prozent.
Warum die Werte auseinanderliegen, beantwortet die Untersuchung nicht. Kulturelle Unterschiede, die Verbreitung bestimmter Nikotinprodukte oder mediale Darstellungen könnten eine Rolle spielen, wurden aber nicht als Ursachen untersucht.
Ein verändertes Image bedeutet noch kein Comeback des Rauchens
Die Befragung zeigt, dass besonders jüngere Erwachsene Rauchen wieder häufiger als gesellschaftlichen Trend wahrnehmen. Gleichzeitig besitzt die klassische Zigarette für einen Teil der Befragten weiterhin ein stärkeres Lifestyle-Image als andere Nikotinprodukte. Ob daraus tatsächlich steigende Raucherzahlen entstehen, bleibt offen. Die Studie misst Einstellungen und Wahrnehmungen, nicht die Entwicklung des tatsächlichen Konsums.
Über die Studie
Die Ergebnisse stammen aus einer Online-Befragung des Marktforschungsinstituts Censuswide. Im März 2026 wurden deutschlandweit 2.000 Personen ab 18 Jahren zu ihrer Wahrnehmung verschiedener Nikotinprodukte sowie zu ihrem Wissen über gesundheitliche Risiken befragt.
